Druckschrift 
Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

Freihandelsschule, und zwar insbesondere der deutschen , einmal, dasssie alle Fortschritte im gesammten industriellen Leben immer aufRechnung der praktischen Durchführung ihrer alleinseligmachendenLehren schreiben, und sodann, dass sie von Einrichtungen und Ge-setzen, die sie als im Widerspruch mit ihrer Lehre, als verderben-bringend und in die Finsterniss des Mittelalters zurückführend, aufs-Lebhafteste bekämpften, sobald sie nach ihrer Durchführung segens-reiche Wirkungen zeigten, behaupten, dass dieselben in vollem Ein-klang mit ihrer Schuldoctrin ständen. Zum Theil wenigstens erklärtsich dies wohl aus derAndacht mit der, wie Herr B. vortrefflichsagt (S. 21) bis in die allerletzten Zeiten jene Reformen allein nurgenannt wurden: denn Andächtige sind schlechte Kritiker ihrer Götzenund alles Gute, was sich im Leben ereignet, schreiben sie auf Rech-nung der Wirksamkeit ihres Fetisches.

Nun ist es unzweifelhaft richtig, dass in Folge der technischenErfindungen des vorigen und unsres Jahrhunderts und der damitHand in Hand gehenden ökonomischen Reformen eine in der Ge-schichte beispielslose Vermehrung des Reichthums stattgefunden hat.Missverständliches und Schiefes dagegen enthält bereits der Satz(Bamberger S. 21):Die sociale Frage ist nicht eine Folge des

Elends sondern eine Folge der Verbesserung der allgemeinen Men-schenlage. Geistreich aber absurd ist die weitere Phrase:Ihr

klagt, folglich ist es besser geworden, und geradezu eine Im-pertinenz ist der Beweis, der für diese Verbesserung geboten wird(Bamberger S. 22).

Die Sache ist nämlich die, dass die sociale Frage, wie Herr B.an verschiedenen Stellen seines Buches sagt, heute etwas völlig Ver-schiedenes ist von der Frage nach Beseitigung des Pauperismus. Indieser Anschauung stimmt er völlig mit mir überein; denn auch ichhabe die als die heutige soziale Frage v.cct l^oyj v zu betrachtendeArbeiterfrage definirt alsdas Herandrängen und die Berufung derArbeiterklasse zur Theilnahme an den Fortschritten unserer Civili-sation. (Vgl. Arbeitergilden II S. 318 ff.). Diese Betheiligung derArbeiterklasse an unserer Cultur hatten auch Adam Smith undseine nächsten Nachfolger im Auge; allein sie irrten sich, indem sieannahmen, dass nach blosser Beseitigung der alten Ordnung beivöllig schrankenloser individueller Concurrenz jene Betheiligung ein-treten würde. Die absolute Schrankenlosigkeit hatte nur für dieökonomisch Ausgezeichneten die für Alle erwarteten günstigen Wir-