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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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lischen Arbeitsgesetzgebung, über die er nichtsdestoweniger schreibt,sondern sogar in der allgemeinen Weltgeschichte. Denn augenschein-lich hat er nie von Tory-Chartisten, von Jung-England , von Dis-raelis Sybil gehört; er weiss nur von derkleinen Intrigue, welchevor Kurzem in London zwischen einigen aristokratischen Heiss-spornen und Internationalisten spielte, und selbst da will sein Un-stern, dass zu jenen Aristokraten nicht blos Tories, sondern auchWhigs, wie der Marquis von Lome, zu den Arbeitern kein ein-ziges Mitglied der Internationalen gehörten, dass dieIntrigueweder von Aristokraten noch von Arbeitern, sondern von einem ver-rückten Architekten ausging, und dass, sobald dies bekannt wurde,Aristokraten und Arbeiter sich zurückzogen, ohne sich jemals begeg-net zu sein. Allein, wie schon gesagt, Herr B. lebt auch mit derallgemeinen Geschichte nicht auf vertrautem Fusse. Er hat wohlniemals gehört, dass in allen Zeiten und Ländern die Obersten sichsehr häufig mit der untersten Klasse gegen die in der Mitte Stehen-den verbanden: die Könige z. B. mit den Bürgern gegen denAdel oder die Bischöfe mit den Handwerkern gegen die Patrizier,und dass selbst heute schon Fabrikanten in England die ungelerntenArbeiter gegen die gelernten ähnlich zu hetzen versuchten. Undnichts ist natürlicher. Jede obere Klasse hasst stets diejenige ammeisten, die ihr zunächst auf dem Nacken sitzt, und sucht durchParteiergreifung für eine tiefere dieselbe in Schach zu halten. Mansehe ähnliche Regungen bei Herrn Bamberger selbst gegen Endevon S. 102 seines Buches.

Nicht besser als mit den Fabrik- und Bergwerksgesetzen gehtes Herrn B. mit der Einkommensteuer, wegen deren er gleichfallsden Dank der englischen Arbeiter gegen die Manchesterschule be-ansprucht, denn über die Einkommensteuer sagt John Briglit(Speeches p. 481 u. a. a. O.):Sie ist dem Volke so verhasst, wiesie es von jeher gewesen, und zw'ar hauptsächlich deshalb, weil sieungerecht ist. Besser dagegen, wenigstens scheinbar, steht es fürHerrn B., wenn er sagt, dass die Arbeiter die Existenz der Gewerk-vereine der Manchesterschule verdanken; denn, wie schon gezeigt,hat in der That die alte Smithsche Schule die Coalitionsverbote be-seitigt. Allein mit ganz andern Augen hat die spätere Theorie, dieeigentliche Manchesterschule, die Coalitionen betrachtet. Ich erinnerenur an John Brights berühmten Brief, in dem er sagt, man müssenur jedem Arbeiter das Stimmrecht geben, damit er ebenso über-