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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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zeugt, wie Herr Bright selbst werde,dass Coalitionen auf die Dauerihm ebenso schädlich, wie dem Arbeitgeber seien (vgl. MacmillansMagazine, March 1861 p. 363), eine Ansicht, die er freilich späterso weit geändert hat, dass er den Gewerkvereinen den sehr bedenk-lichen Rath gab, sie möchten ihre Organisation auch zur Verfol-gung politischer Interessen gebrauchen (Brights Speeches, p. 392).Und ebenso w'ie früher Bright, donnerte bis nach Beendigung derUntersuchungen der englischen Gewerkvereinscommission mit Hun-derten von Zungen die ökonomistische Tagesliteratur Englands .

Aber ganz abgesehen hievon, eine einfache Arbeitseinstellung istetwas ganz Andres, als ein Gewerkverein, und der Letztere beruhtauf Principien, die von denen Adam Smiths und seiner nächstenNachfolger völlig verschieden sind. Wenn nämlich Plerr B. (S. 26)sagt, Smith und seine Schule seienseit dem letzten Viertheil desvorigen Jahrhunderts bis auf diesen Tag für den Grundsatz einge-standen: dass die freie Bewegung des Individuums, sei es vereinzelt,sei es in freiwilliger Genossenschaft mit andern, das Fun-dament alles bürgerlichen Gedeihens ist, so ist dies einfach nichtwahr. Die deutsche Freihandelsschule allerdings, die in eine sehrviel spätere Zeit, als die Entstehung der englischen fallend, mancheErfahrungen, die man in England bereits gemacht hatte, sich zuNutzen machte, dafür aber auch an Consequenz Einbusse erlitt, hatsich hauptsächlich unter Schulze-Delitzschs Einfluss für freiwilligeGenossenschaften erklärt. Allein Smith und seinen nächsten Nach-folgern waren die den Genossenschaften zu Grunde liegenden Prin-cipien vollständig fremd. Sie kannten bloss den krassesten Indivi-dualismus. Man vergleiche nur die heutzutage geradezu komischenAuslassungen eines MCulloch über Arbeitseinstellungen, um zusehen, wie es ihm vermöge seiner theoretischen Anschauungen un-möglich war, die Natur der Gewerkvereine auch nur zu ahnen(s. meine Arbeitergilden I. 198, 199), oder bedenke, dass das Be-stehen eines Gew'erkvereins unmöglich ist, ohne Beschränkungen be-züglich der Lehrlinge (vgl. Fawcett, Pol. E. 2. ed. p. 257) undsonstige Beschränkungen der Concurrenz, und vergleiche damit dieTheorien und Forderungen der Manchesterschule. Und was dasenglische Genossenschaftswesen (Cooperation) angeht, so entsprangdasselbe bekanntlich direct aus Owenschen Ideen und Versuchen,war als Socialismus bei den englischen Oekonomisten lange Zeit inVerruf (vgl. nochThe Edinburgh Review', Jan. 1851), bis Mill und

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