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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
Entstehung
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198, 321 -) Wenn aber Herr Bamberger die Entstehung des sog.Kathedersocialismus in den Neid und die Missgunst setzt (S. 11 bis14, 52), mit demein armer Adel, ein schlecht besoldetes Beamten-thum und ein von Haus aus dürftiger Gelehrtenstand denmittropischer Heftigkeit aufschiessenden Reichthum der Industrie- undFinanzmänner angeblich betrachtet, was begeht er da Anderes, alsdenselben Fehler, dessen er uns fälschlich bezichtigt?!

Aber ich bin Herrn B. sehr dankbar, dass er so unverfrorendiese und noch einige andere Aeusserungen über die sog. Katheder-socialisten und mich insbesondere gemacht hat. Er erleichtert mirdadurch ungemein meine Aufgabe, zu zeigen, dass, wenn Herr B.Jeden, der ausserhalb der Geschäftswelt steht, für in ökonomischenDingen unfähig, Jeden, der gegen Arbeitgeber Vorwürfe erhebt,fürbefangen, und Jeden, der ein Wort zu Gunsten der Arbeiterhat, für in dieselbenverliebt erklärt, der Grund einfach der ist,dass Classenanschauungen seinen Geist völlig umnachten. Oderliegt in Herrn B.s. Angabe über die Entstehung des Katheder-socialismus nicht etwa das offene Eingeständniss, dass Jeder, der dieSüssigkeiten, welche die Manchestertheorie dem Unternehmer bringt,nur einmal am eigenen Leibe gekostet hat, nothwendig für alleZeiten und' in Allem auf Seite des Unternehmerstandes sich stellt?Und lässt es sich vielleicht anders erklären, wenn Herr B. (S. 56)ausführt, wer auf dem akademischen Lehrstuhle stehe, möge erauch die Fabriken der halben Welt durchwandert, die Acten allerenglischen Strikes studirt haben, der könne vom wichtigsten Theiledesjenigen Lebens, das er zum Gegenstand seiner Kritik, mache,doch nur eine poetische Anschauung erhalten, oder wenn ersagt (S. 58), man brauche zwar nicht an der Spitze einer Baumwoll-spinnerei oder eines Eisenhammers gestanden zu haben, aber manmüsse doch mit den Unternehmern rechnen und fühlen ge-lernt haben, oder wenn er in ähnlichem Sinne spricht (S. 130) vonder Neigung zu socialistischen Experimenten mit der Industrie- undGeschäftswelt, w r elche jetzt die ausserhalb jener praktischenWelt lebenden Köpfe erfüllt?

Diese ganze Auffassung, dass man nothw'endig am Handels-und Gewerbsleben direct betheiligt sein müsse, um das richtige Ver-ständnis davon zu erlangen, ist keineswegs neu. Zu jeder Zeithaben die Unternehmer mit dem Vorwurf des Mangels an Verständ-nis wegen mangelnden directen Interesses Diejenigen bekämpft,