Druckschrift 
Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

dann nämlich beinahe so, als beweise er aus meiner eigenen Seelen-reinheit die Schwärze meiner Seele.

Der Verfasser des Minderheitsberichts, auf Grund dessen dasGewerkvereinsgesetz von 1871 erlassen wurde, war nämlich der mirbefreundete Herr Frederic Harrison , und da er wusste, dass ich mitder Gegenwart der englischen Gewerkvereine ebenso und mit ihrerVergangenheit noch besser vertraut war als er, da er ferner meineGesinnung kannte und auch wusste, dass ich die allgemeine poli-tische Lage in England hinreichend kannte, um die Rücksichten zuverstehen, die auf dieselbe genommen werden mussten, gab er mirseinen Bericht, bevor er ihn bei der Commission einreichte, zur Prü-fung. Wir stimmten nun' bezüglich dieses Berichtes in Allem undJedem überein, insbesondere auch darin, dass der Vorschlag, die Ge-werkvereine gegen Unterwerfung unter Normativbedingungen zu be-fähigen, dass sie auf gesetzlichem Wege Beiträge und Geldstrafenerheben könnten, zurückzuweisen sei. Dieser Vorschlag ging näm-lich nicht von den competenten Vertretern der Gewerkvereine, sondernvon Roebuck, einem ihrer heftigsten Gegner, aus. Seine Tendenzwar nicht, die 'Gewerkvereine zu fördern', sondern sie zu vernichten,denn die vorgeschlagenen Normativbedingungen waren der Art, dasskein Gewerkverein sie, ohne Selbstmord zu begehen, hätte annehmenkönnen. Dies Alles würde Herrn B. bekannt sein, hätte er die indem von ihm übrigens nur verstümmelt wiedergegebenen Minder-heitsgutachten als Beleg angeführte Quaestio 6641 in den Zeugenaus-sagen nachgeschlagen. Wenn ich aber auch alles in dem Minder-heitsbericht Gesagte mit Rücksicht auf die Verhältnisse für das zurZeit Richtige halte, so spricht das nicht gegen meine weitere An-sicht, dass mit Weiterentwickelung der Verhältnisse die Ge-setzgebung in die Lage kommen wird, noch weiter gehen zu müssen.

Damit übrigens der Leser nicht meine, dass ich ihm Märchenerzähle, hat mir Herr Harrison einen das hier Gesagte be-zeugenden Brief geschrieben, den ich im Anhänge mittheilen werde.Vermuthlich wird darnach Herrn B. und Genossen die Lust vergehen,mich als im Widerspruch mit meinen Freunden in den Dingen zubezeichnen, in denen ich mich mit ihnen Eins weiss.

Man sieht aber: Plerr Bamberger ist als Kritiker ebensowenigglücklich, wie als Geschichtschreiber!