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Allein haben die Angriffe, die ich erlitten, auch mich nicht ge-kränkt, so führt doch die Heftigkeit, mit der Jeder, der nicht blosmit den Unternehmern „rechnet und fühlt“, verfolgt wird, zu einerernsteren Erwägung zwar nicht mit Rücksicht auf die sog. Katheder-socialisten, — deren Aufgabe und Stellung ganz Anderes als dieUebernahme der Führung der Arbeiterclasse erheischt, — sondernmit Rücksicht auf die eigentlichen Führer der Arbeiterclasse. Wasich meine wird durch einen Vergleich am besten erklärt: Ich binmir zwar all’ des Schiefen bewusst, welches Vergleiche der Gegen-wart mit der Geschichte des Alterthums mit sich zu bringen pflegen,und bis jetzt habe ich derartige Vergleiche stets sorgsam vermieden.Allein trotzdem konnte ich mich bei den Angriffen unserer Gegnerder Erinnerung oft nicht entschlagen, dass im alten Rom , nachdemein Gracchus oder ein Drusus, die sich der Masse angenommenhatten, erschlagen waren, die Mörder es mit einem Catilina zu thunhatten. Und nichts ist natürlicher. Je gefährlicher die Aufgabe ge-macht wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Niemandsich ihr unterziehen werde, als leidenschaftliche, ja verzweifelteMenschen, die unbekümmert sind um Folgen für sich sowohl wiefür Andere. Und so haben auch wir in unseren Tagen es schonerlebt, dass Diejenigen, welche uns in der Stellung von Führern derArbeiterclasse entgegentreten, keineswegs Männer vom reinsten Cha-rakter waren, und je mehr Diejenigen, welche der Arbeiterclasse sichannehmen, von den anderen Gesellschaftsclassen proscribirt werden,desto mehr wird dies auch in Zukunft der Fall sein.
Ist diese Erscheinung aber nothwendig? Muss unsere heutigeEntwicklung ein genaues Nachbild der analogen Entwicklung imAlterthum sein? Gewiss nicht; denn vor Allem unterscheiden wiruns von dem Alterthum durch den Besitz der damals und seitdemoft wieder gemachten Erfahrung. Diese Erfahrung aber müssenwir, wie die früher ausführlich erörterte Anschauung der Katheder-socialisten ist, benutzen, um durch berechnetes Eingreifen die noth-wendige Entwicklung zu demselben Ziele zu leiten, zu dem die sichselbst überlassene Natur sie führen würde, nur mit Ersparung derdas Schalten derselben begleitenden Nachtheile. Je heftiger daherdie Anfeindungen berechtigter Bestrebungen der Arbeiterclasse seitensder Vertreter der herrschenden Partei werden, je lebhafter die An-griffe werden, die gegen die sog. KathedersociMisten selbst geschleu-dert werden, desto weniger kann es in deren Sinn kommen, die