Übcrsetzungsmonopol, holländisches Reciprocum. Bruch mit Frankfurt . 11
ihm Breitkopf verkörperten für Dresden das, was Kursachsen an Leipzig und seiner Messe besaß, sie zählten die einflußreichsten Persönlichkeiten inDresden zu ihren Kunden und Gönnern, und Reich insbesondere ver-fehlte keine Gelegenheit, ihnen die Bedeutung des Leipziger Buchhandelsfür das Land und die Notwendigkeit, ihn in jeder Weise zu unterstützenund zu fördern, immer und immer wieder auseinanderzusetzen.
Noch ehe die Pläne, die Reich betrieb, der Regierung in förmlicherWeise unterbreitet wurden, trat das Ereignis ein, das organisations-gcschichtlich den Grenzstein zwischen mittlerer und neuerer Zeit in derGeschichte des deutschen Buchhandels bildet: der endgültige Bruch Nord-dcutschlands mit der Frankfurter Messe . Zu Fasten 1764 reiste Reichzum letzten mal nach Frankfurt und hob sein dortiges Warenlager auf.„In der letzten Messe", schrieb er im Juni darauf, „habe ich und ver-schiedene andere Fremde von Frankfurth am Mahn Abschied genommenund die Buchhändler-Messen, so zu sagen, daselbst begraben".
Der kaiserliche Bllcherkommissar Kurfürstl. Mainzischer GeistlicherRat, des Kollegiatsstifts zum heil. Kreuz Dechant, der Kollegiatsstifterzu St. Peter und Victor Kapitular und kiotonowiius axoswliensFranz Anton Tavcr von Scheden , Edler von Cronfcldt und Bischof vonAssur sandte umgehend Bericht darüber nach Wien . Entweder dieäußersten Maßregeln oder „gänzliche Aufhebung des Büchcr-Commissariats";so verzweifelt schien ihm die Lage. Die Maßregeln aber, die er befür-wortete, liefen darauf hinaus, den sächsischen Buchhandel dadurch zumNachgeben zu zwingen, daß man Frankfurt zu einer Freistätte des Nach-drucks aller Schriften erhob, deren Verleger die Frankfurter Messe nichtbesuchten. Reich selbst wurde von Scheden nm eine vertrauliche Unter-redung ersucht. Auf die Frage nach seinen Beweggründen gab Reich dabeieinerseits an, daß man in Frankfurt seit fünfzig Jahren eine „despotischeGewalt" ausgeübt, mit den Privilegien eine „Art von Handlung getrieben"und den Eontroversschriften gegenüber nicht die nötige Billigkeit beobachtethabe. Andrerseits stellte er den starken litterarischcn und buchgcwerb-lichcn Gegensatz zwischen Sachsen und dem Reiche vor. Der Berichtnach Wien verfehlte seine Wirkung auf Reich völlig. Er verstände sichnicht aufs Staatsrecht, meinte er, und wüßte nur aus Erfahrung, daß„gewaltsame Mittel nicmahlen etwas Gutes stifteten" und noch viele