1^ 1. Kapitel: Beginn des Ncichdruckszeiwlters n. die Reichschen Rcformbcstrcbungen.
Einwendungen hier Platz finden würden. Daö war freilich offenbar,daß jener Bericht die Stimmung gewisser Frankfurter Buchhändler wider-spiegelte. Namentlich der schweizerische Nachdruck machte sich immer be-denklicher bemerkbar, und gerade die Frankfurter leisteten ihm allen Vor-schub. Was war erst zu erwarten, wenn ihre „tolle Eifersucht ganzentfesselt" war! Die Gefahr war um so größer, als die süddeutschenNachdrucke auch von „benachbarten" norddeutschen Buchhändlern ver-trieben wurden. Und doch that Reich den Schritt von Fasten 1764 undließ sich durch die Drohung grundsätzlichen Nachdrucks unter kaiserlicherFührung nicht bewegen, ihn zurückzuthun? Freilich hat er nn die Mög-lichkeit grundsätzlicher Verweigerung kaiserlicher Meßprivilegicn keinesfallsgeglaubt, und mit Recht; dazu ist man in Wien niemals geschritten.Aber was bedeutete denn das kaiserliche Privileg, wenn die FrankfurterMesse nichts mehr bedeutete? Und diese Messe war überlebt; Reichund seine Freunde haben sie nicht ums Leben gebracht, sondern nur„begraben". Reich sah sich mit der ganzen Einseitigkeit einer rücksichts-losen Kämpfernatur getrieben von einer undiskuticrbarcn geschichtlichenNotwendigkeit. Scheden fragte ihn ratlos nach seinen Beweggründen.Reich ließ sich in keine difsieilen Diskussionen ein, sondern antwortetemit dem Hinweis auf den tiefgehenden litterarisch-buchhändlcrischen Unter-schied Nord- und Süddcutschlands. Er hat es gleichzeitig an andererStelle mit größter Schärfe ausgesprochen, daß auf Grund dieser Ver-hältnisse und der Verfassung des Deutschen Reiches eine rückläufige Ent-wickclung der Nachdrucksbcwegung unmöglich war und die Frage umden Nachdruck nur eine staatliche und buchhündlcrische Machtfrage seinkonnte, und die Geschichte hat ihm darin Recht gegeben. Sachsen mußteso stark und in seinem Einflüsse so weitgreifend als möglich gemachtwerden, Leipzig mußte der einzige und allbeherrschcndc Meßplatz sein,mit der alten, nun immer mehr zur „Reichsnachdruckermesse" werdendenFrankfurter Messe brechen — die Zeit war nicht mehr fern, in der sieallgemein so genannt wurde — und den widerstrebenden Buchhandel mitGewalt im Zaume zu halten suchen. Nach Leipzig zurückgekehrt, riefer, Jubilate 1764, den Buchhandel in einem anonymen Rundschreibenzur Selbsthilfe gegen den Nachdruck in geschlossenem Zusammengehen auf.Er unterschied vier Gruppen von Buchhändlern. Die Schweiz erscheint alsHochburg eigenen Nachdrucksverlags und des Druckes reichsdeutscher Nach-