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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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14 1. Kapitel: Beginn des Nachdruckszeitalters u. die Rcichschen Reformbestrebungcn.

unmöglich sein, so vielerlei Köpfe unter einen Huth zu bringen . . .Warum verbinden wir uns nicht gegen die Übertreter? . . Warlich,wenn der redliche Theil der Buchhändler unter sich selbst einig ist, wennwir unabweichliche Gesetze annehmen; so wird sich bald eine glücklicheAenderung zeigen . . . Wenn wir keine Nachdrucke in unsern Handlungenaufnehmen; wenn wir uns gemeinschaftlich gegen diejenigen verbindenwolten, die sich der Ungerechtigkeit, selbst nachzudrucken, oder nachgedruckteBücher zu verbreiten, theilhaftig gemacht; wenn wir mit dem Credit behutsamer umgchcu, und nicht mit jeden hergelausfenen oft Galeeren-würdigen Leuten Handlung anfangen, und fortsezen wolten, u. s. w. ge-wiß der Buchhandel würde ein ander Ansehen gewinnen."

Noch in derselben Jubilatemesse erschien eine ebenfalls anonymeGegenschrift, verfaßt vermutlich von einem Schweizer Buchhändler. Sicverteidigte die Schweiz gegen den Ruf des Nachdrucks die Verteidigungbesteht darin, daßdieser Fehler die Schweiz nicht allein betrifft",und den Nachdruck gegen die Nettohändler.Warum suchen große Hand-lungen kleinen Ecseze vorzuschreiben, ihren Verlag mit kleinem Rabattund baarem Oelde zu zahlen? Dießes ist es, was den Nachdruck derBücher veranlaßet." Daß sich gleich ganze Gesellschaften zum Nachdruckverbunden hätten, sei ja allerdings für manchen nicht erfreulich.Aberob dieses Institutum nicht zugleich löblich, wird man denen, so daranprofitieret, zu eigener Beurtheilung überlaßen."Ist es nicht eineSchande", heißt es endlich,sich denen Herren Gelehrten selbst in seinerBlöße zu zeigen?" Fühlte man durchaus das Bedürfnis, dergleichenVorschläge zu Markte zu bringen, dann konnte das wenigstens mündlichunter Buchhändlern geschehen: dann hätte man seine schmutzige Wäschenicht vor den Leuten gewaschen und doch denselben Zweck erreichtdenenHerren Buchhändlern zur Meße einiges Vergnügen zu machen. Wasgedenken Sie wohl, mein Herr, der Sie Gesetze vorschreiben und selbstmit züchtigen wollen? Ich sehe Sie fern durch mein Seherohr mit halb-gebrochenen Augen mit einem Fuße dem Grabe nähern, und Sie suchendie Welt zu verbeßern, ja, das ist nun wahrlich zu spät. Sie denkenwie ein Großer des Reichs, aber der Satz ist falsch, denn Sie werdennie hier die Ausübung in Erfüllung bringen. O! Reich voll Einsamkeit,komme und versammle dich, verbanne das wüthende Heer der niedrigdenkend Gesinnten. Rühre aber auch zugleich das Herz des niederträchtig