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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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26 1. Kapitel: Beginn des Nachdruckszciwlters u. die Rcichschen Rcsormbestrebnngc».

lerischen Ringbildung dic schwerste Gefahr für die Gelehrten erblickten.Sie verurteilten den Nachdruck iu der Theorie; aber sie schätzten ihnals Prciöregulator: eben in der Gewinnsucht der Buchhändler, in den, exorbitanten Preisen, die diese seit dem Siebenjährigen Kriege den kleinenund kurrcnten Büchern gegeben, sahen sie, wenn nicht die ganze Ursache,so doch einen ganz bedeutenden Anreiz zu der überhandnehmendenSteigerung des Nachdrucks. Das Alphabetordentlichen Oewv formst«"habe früher nicht mehr als 4 bis 5 Zr., größern Formats nicht mehrals 6 bis 7 Zr. gekostet: jetzt koste es häufig mehr als 16 ^. DieGesellschaft liefere Publikum und Gelehrte, schöne und wissenschaftlicheLitteratur der Willkür des Buchhändlers aus, und wenn man dem keineSchranken setze, so werde dieHabgier der Buchhändler keine Grenzenkennen." Sollte dieser Ring ja vom Staate geduldet werden: so seiihm jedenfalls der Zaum einer Büchcrtare anzulegen und diese voneiner aus Professoren, Buchhändlern und Buchdruckern bestehendenDeputation unter Oberkontrolle der Büchcrkommission festzusetzen. Reichwollte von solchen mit professoralcm Taxgcistc versetzten Konferenzen, dieauch in den Vorschlügen der Bücherkommission in der Zeit vor Michaelis1765 auftraten, nichts wissen.Es ist kaum zu sehen, was eine Zu-sammcnkunfft der Buchhändler mit den Herren ?rokeL8nren für Ruzenfür den Buchhandel haben könnte" (1. April 1765).

Der im Vorigen benutzte Bericht der Bllchcrkommissiou, iu dernicht die Ansichten Bels, sondern dic des Leipziger Rates herrschen,datiert vom 24. März 1768, die Eingabe der Leipziger Universität vom20. Nov. 1769: so lange blieb dic Angelegenheit der Buchhcmdelsgcscll-schaft offiziell in der Schwebe. Das Gewicht des Widerstandes aber wargleich anfangs so stark, daß schon in der zweiten Versammlung, Michaelis-messe 1765 (9. Oktober; das Protokoll von 27 Buchhändler» unter-zeichnet), auf Reichs Antrag folgende Statutenänderung beschlossenwurde:Daß ernanntes Grundgescz überhaupt, und insonderheit dcßcnsiebenter Punct auf keine andere Art zu verstehen, oder ins Werck zu»richten sehe, als so weit es in jedem Lande den Gesetzen des Landesgemäs, und den ?rivilegii8 des Landes Herrn unnachthcilig ist." Da-mit begab sich die Gesellschaft des einzigen durch ganz Deutschland wirksamen Mittels, das sie wirklich hätte anwenden können, und gestandzu, daß es neben den Territorien keinen Raum für einen nichttcrritorialcn,