Plan einer Reichsnachdruckermesse.
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und Dranges" im deutschen Buchhandel aussah, und daß EckebrechtsAusführungen alles andere waren als bloß dem Papiere anvertraute Ge-danken ohnmächtigen Grolls. Zum Führer der reichsbuchhändlerischenBewegung warf sich Franz Varrentrapp auf; eine Natur von ähnlicherKühnheit der Initiative, wie Reich, aber hochfahrend und ungestüm, imGegensatz zu der sichern und kalten Überlegenheit und Überlegtheit, dieReich mit seiner Lebhaftigkeit verband; ein Nachdrucker von Anbeginn.
Eckebrecht preßte sich einige Zähren aus, um sie in pietätvollerWehmut der dahingeschwundenen Frankfurter Herrlichkeit zu weihen:„Nun müssen die Enkel die Sünden ihrer Großväter offenbar büßen,welche, mit der sanften und glücklichen Negierung der hochprcislichenReichsbücher-Commißion nicht zufrieden, sich durch die sächsischenSchmeicheleien bethörcn liessen, die Frankfurter Bücher-Messe nach Leipzig zu verlegen." Varrentrapp war es, der es zu verwirklichen unternahm,den Männern vom Geiste Eckebrechts ihre Reichsmesse wiederzugeben.Aber unter der „sanften und glücklichen Negierung der hochpreislichenNeichsbücher-Commißion" natürlich — nicht. Erkannte man den Schutzder kaiserlichen Privilegien uneingeschränkt an, und das war in Frank-furt anders unmöglich, so konnten die bedrohten Norddeutschen der Reichs-nachdruckermesse durch häufiges Ausbringen kaiserlicher Privilegien ent-gegentreten. Die Nachdruckcrpartei war aber entschlossen, den nord-deutschen Verlag unter allen Umständen nachzudrucken, so wie es inÖsterreich üblich war. Folglich konnte die geplante Messe nicht nachFrankfurt verlegt werden. Ein zweiter Grund sprach eben dafür: diealtbekannten Belästigungen durch die kaiserliche Bücherkommission. Schonzu Beginn der vierziger Jahre war man in Frankfurt mit dem Gedankenan eine Nachdruckermesse umgegangen, damals aus Opposition alleingegen die kaiserliche Büchcrkommission; nnd zu ihrem Sitze hatte manHanau ausersehcn, das bei der geringen Entfernung von Frankfurt andessen Handclsvorzügen teilnahm. Der Gedanke war nie ganz einge-schlafen. Jetzt, sofort nach dem Erscheinen des Mandats, dachte manzunächst an Erfurt, eine Exklave des Kurfürstentums Mainz , umgebenringsum von tur- und herzoglich sächsischem Gebiete; aber der Plan wurdesehr bald aufgegeben; sei es, daß der Negierung des Erzkanzlers desrömischen Reiches Bedenken aufstiegen, sei es, daß die günstige LageHanaus den Ausschlag gab.