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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Hanauer Umschlag. Frankfurter Niederlage. Beschwerde der Rcichsbuchhändler. 65

Zöllen, Accisen und Abgaben, die Buchhändler und ihre Angehörigensamt Wagen und Pferden von allen Spcrrgcldcrn befreit; jeder Buch-händler sollte sich eine eigene Druckerei errichten dürfen, ohne an dieForderungen der Buchdruckerzunft gebunden zu sein. Und der springendePunkt:Mag ein jeder von obcrmeldeten Buchhändlern Bücher vonallerhand Jnnhalt und Auflagen, es mögen Original Auflagen, oderNachdrucke sehn, ohnangeschen ob ein anderer ein ?rivi1öNuw iwpres-sorium darauf erhalten hätte, öffentlich feil haben und verhandeln."

Reich nahm demgegenüber er erklärte sich damals auchfrei-willig" zu einer Entschädigung des Geldkurses bereit und rechnete z. B. denCarolin zu 10 fl., d. h. ^ sl. höher als üblich Schwans Gedankeneiner norddeutschen Verlagsniederlage in Frankfurt auf. Er sprach ihnin einem Circular vom 31. Dezember 1774 aus; daß ein solcher Plandie Hanauer Absichten ziemlich vereiteln dürfte", solle man sich hübenund drüben gesagt sein lassen. Die Frankfurter wurden dadurch in ge-steigerte Erregung versetzt; sie sahen darin eine Schädigung ihres Groß-sortimentsbetriebs. Denn war auch mit dem Eingehen der Messe zugleichder alte Frankfurter Speditions- und Kommissionshandel nicht mehrvorhanden: für die kleinern süddeutschen Handlungen war Frankfurt nochimmer die Centrale, von der sie sich mit norddeutscher Litteratur ver-sorgen ließen. Dagegen griff der kaiserliche Bücherkommissar den Ge-danken, der geeignet schien, dem bedrohten kaiserlichen Privilegienwesengegen die Hanauer zu Hilfe zu kommen, begierig auf und ersuchte Reichaufs dringendste, ihn zu verwirklichen (K. März 1775). Reich entschloßsich dazu, er fragte deshalb auch Goethe um Rat; Scheden that inzwischenin Frankfurt das Seine und untersagte den Frankfurtern den Besuchdes Hanauer Umschlags (Ostern 1775). Der Eindruck, den er damiterzielte, war sehr gering. Varrentrapp erklärte, kein Mensch könne ihmverbieten, statt einer weiten, beschwerlichen und teuren Reise nach Leipzig die bequemere und billigere nach Hanau zu machen. Er reise jetzt nachLeipzig , und zum letzten mal, er werde sein dortiges Lager aufräumen.

Hier in Leipzig wurde nun zu Ostern 1775 wirklich die vomRate längst erwartete Beschwerde der Rcichsbuchhändler an die Negie-rung gerichtet: über Verweigerung der Change, zu hohe Preise und überharte Verfolgung der Nachdrucker." Bei längerer Entstehung werdeman die Leipziger Messen verlassen und der Hanauer Einladung Folge

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