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Wcnn jemand so schwärmerische Gedanken im Ernst hegte, so wurdeer jedenfalls sehr bald eines andern belehrt. Schon im Jahre 1780hatte Joseph einem Protokolle der Ccnsur-Hofkommission die Bemerkunghinzugefügt, der Nachdruck unschädlicher Bücher sei als ein „bloßesnegotium" keinem Drucker zu verwehren.^ Und nun erklärte Para-graph 8 des Censurgesetzcs vom 11. Juni 1781 mit aller nur wünschens-werten oder nicht wünschenswerten Deutlichkeit: daß „der Nachdruck dervon auswärts in die Erblande kommenden und in denselben zugelassenenBücher gestattet, und als ein bloßer Zweig des Kommerziumö anzusehen"sei.^" Die Josephinische Toleranz aber mußte nur dazu führen, demNachdrncker einen noch reichern Stoff zur Verfügung zu stellen: im Mai1783 versandte Trattncr ein Eircular an die norddeutschen Buchhand-lungen, in dem er ihnen anzeigte, daß er bei gegenwärtiger Rcligious-und Preßfrciheit zur Verbreitung der Litteratur solche Maßregeln er-griffen habe, die ihn in Stand setzten, in den Hauptstädten der K. K.Erblaudc neue Buchhandlungen, Druckereien und Papiernicderlagcn zuerrichten. Er beschäftigte damals in Wien in zwei Druckereien 20 Pressen,die schon zwei Jahre daraus auf 26 gestiegen waren; neben den schonseit vielen Jahren in Innsbruck , Trieft und Agram bestehenden Drucke-reien war er eben im Begriff auch in Prag, Pest, Linz , Grätz undBrünn Druckereien und Buchhandlungs-Eomptoirs einzurichten'"; aller-dings waren diese zahlreichen Druckereien auch für andere Firmen be-schäftigt. Das Eircular erklärte vor allem daran erinnern zu müssen,daß man sich nicht etwa nach der Gewohnheit einiger sächsischer undbrandcubnrgischcr Buchhändler, welche die oberdeutschen für ihre Krämeransehen wollten, bcigehen lassen sollte, für gute Vcrlagsartikel bar Geldzu verlangen. Dazu würde er sich jetzt ebenso wenig verstehen, als ihnI76d Reich mit seiner Socictät habe bewegen können, obgleich Reichin seinen „boshaften Bemühungen" so weit gegangen sei, seit 1765keinen seiner Verlagsartitcl in den Mcßkatalog zu setzen. Ganz genauist diese Angabe übrigens nicht; die Mcßkatalogc von 1766 verzeichnennoch 26, die von 1768 noch 27 Trattnerschc Vcrlagsartikel: erstdann verschwindet der Name des großen Nachdruckcrs ganz aus dcnMcßkatalogcn. Trattner fuhr fort: „Sollten aber EE. diese freund-schaftlichen Anerbictungen fzu changirens nicht annehmen, so müssenSie es sich selber zuschreiben, wenn Sie Ihre bcstcn Verlagsbüchcr in