Nachdruck in Österreich unter Joseph II.; Gegenströmung in Österreich selbst. 7?
uuscrn Pressen gedruckt in allen Handlungen der kais. königl. Staatenverbreitet finden."^
Unterm 1. Januar 1784 eröffnete Traßler in Troppau eine wahreFabrikuntcrnehmung in gedrucktem Papier, indem er Subskription aufdie Nachdrucke der besten deutschen Schriftsteller, Journale u. f. w. aus-schrieb, von denen monatlich 90 Bogen für einen Gulden (der Bogen2/° Kreuzer!) erscheinen sollten. Man muß sich dabei immer erinnern,daß sich diese Dinge keineswegs bloß innerhalb der erbländischen Grenzenabspielten; die Traßlersche Anzeige findet sich z. B. in den HamburgischenAdreßcomtoirnachrichten, und in demselben Jahre reichten z. B. die Ber-liner Buchhändler eine Beschwerde über den üppigen Vertrieb der Karls-ruher Sammlung durch einen Hamburger Büchertrödler ein, der dieAnzeigen der billigen Nachdrucke, worunter so viele von Berliner Origi-nalen, in den Blättern veröffentlichte und in Berlin von Haus zu Hausschickte." Die Freimaurerlogen Wiens beschlossen einhellig, nicht zu sub-skribieren, weil der Nachdruck, erlaubt oder nicht, unrecht sei. Ein Zeugnisder Empörung gegen den kaiserlich-königlich konzessionierten Nachdruck ausÖsterreich selbst. Verwunderlich ist es nicht; auch nicht, daß dieses Zeug-nis keineswegs vereinzelt dasteht. Von größerer Bedeutung ist es, denSpuren des nämlichen Widerstandes aus den Kreisen des österreichischenBuchhandels selbst nachzugehen. Da wissen wir erstens, daß Männerwie Gräffer — Reichs Kollege als Deputierter — und Stahel in Wien auf Seite der Norddeutschen standen. Es sind aber auch Schriften vor-handen, welche die Stellungnahme gegen den Nachdruck, nicht mit natur-rcchtlichcn, littcrarischcn oder moralischen, sondern mit buchhändlcrischenGründen im cngern Sinne begründen. Man sah hier seine Schädlich-keit darin, daß er das Moment, wegen dessen er geübt wurde: derHemmung des Tauschs und Sortimcntöhandels mit den Ausländern,gerade verstärkte. Das Verhältnis vor allem zu den Handlungen, inderen Verlag die gangbare Originallitteratur erschien, betreffend, istdas von selbst verständlich. Es hieß aber auch, der durchschnittlicheösterreichische Nachdruck sei wegen seiner elenden Ausstattung sogar inÖsterreich selber verachtet, und jeder Schüler gäbe gern ein paar Groschenmehr, wenn er nur ein Original dafür bekommen könnte, und so sei derösterreichische Nachdrucker für den Tauschverkehr auf ein paar GegendenDeutschlands beschränkt, von wo er dabei noch elendes Zeug bekomme.^