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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

Bildung des menschlichen Herzens das mchrstc beitrügen, und in dienöthigsten Fächer der Wissenschaft einschlügen".

Ob der zwischenstaatliche Nachdruck hier oder dort nützlich oderschädlich sei darauf lief denn so alles hinaus. Daß der Nachdruckrechtlich unangreifbar sei, rein moralisch allerdings, namentlich wenn erals selbständiges Gewerbe betrieben werde, wohl anfechtbar sein könne,zuletzt aber lediglich vom Standpunkte seiner Nützlichkeit oder Schäd-lichkeit zu beurteilen sei, wie manche selbst der entschiedensten Bekümpfcrdes Nachdrucks waren darin mit ihren Gegnern einig! Und die Theo-retiker der Rechtmäßigkeit des Nachdrucks, fest und sicher stehend, wennnicht auf dem Boden abstrakten Naturrcchts und römischer Jurisprudenz,so doch um so mehr auf demjenigen thatsächlichcr staatlicher Praxis nndGesetzgebung, wiesen in nicht endendem Redeströme die Vcrdcrblichkeiteines allgemeinen Nachdrucksverbots nach. Autoren und Verleger klagenüber finanzielle Nachteile, und sie mögen für den Einzelnen empfindlichsein: aber ist es nicht überall im Handel so, daß gute Ware bei starkerKonkurrenz im Preise fällt? Das sind natürliche und gesunde Ver-hältnisse! Wer ihre Entfaltung unterbindet, züchtet ein litterarischesHandwerk schriftstellcrnder Müßiggänger empor und schadet der wahrenGelehrsamkeit. Schreiben um der Sache, der Nation, der Menschheitwillen:Wahrlich in einer Wagschale, worin dieser Preis liegt, spieltein Louisdor eine demüthigende Figur." So sprach ein norddeutscherSchriftsteller nicht etwa ein süddeutscher Nachdruckcr. Die Professorender Leipziger Universität, sie waren alle Autoren, norddeutsche Autoren;aber wir erinnern uns, wie sie von einer einschrünkungölosen Unter-drückung des Nachdrucks durchaus nichts wissen wollten. Waren dieseihre Ansichten in den Akten begraben geblieben: Reimarus rief die Ver-derblichkeit einer vom Zaume des Nachdrucks befreiten Buchhäudlcrrepublikund den Segen des Nachdrucks für das Publikum, ja für den Buch-handel selbst als Ganzes, wie bitter er immer für den Einzelnen seinmöchte, laut in die Welt hinaus. Wie Reich, so will auch er nichtsvon einer Taxe, nichts von Privilegien wissen; aber:Die natürlicheKonkurrenz setzt allein die nützlichste und angemessenste Taxe. Gute Warefür billigen Preis zu liefern, ist das beste Privilegium". Und der Freiherrvon Knigge , unter den Schriftstellern der namhafteste und entschiedensteVerteidiger des Nachdrucks als des Werkzeugs der freien Konkurrenz, führt