Praktischer Wert des Nachdrucks. Theoretische Einwendungen dagegen. gl
sich und seinen Verleger Ritschcr in Hannover selbst als Beispiel dafüran, daß der Verleger, der seine Geschäftsmaximen nicht trotzig, gierig,herrisch und verblendet nach dem Idol eines schlechthin unantastbarenMonopols einrichte, für sich und seinen Autor sehr wohl auf seineRechnung komme. Er erhielt für sein bekanntes Buch „Über den Umgangmit Menschen" ein billiges Honorar; es existierte mehr als ein Nach-druck; und dennoch hatte der Verleger in drei Jahren drei Auflagendebitiert.^ Und noch eins: wer konnte behaupten, daß die, welche dieNachdrucke der Billigkeit halber kauften, die teuren Originalausgabengekauft haben würden? Der Hofrat und Postsekretär Becckc in Mann-Hein?, der die „Ausländischen schönen Geister" herausgab und dazu diebesten deutschen Übersetzungen nachdruckte, behauptete, die Buchhändler,die er befragt habe, hätten selber erklärt, von einem Schaden, den dieBuchhändler durch billige Nachdrucke erleiden sollten, darum nichts be-merkt zu haben.^ Nun, Orelt, Gcßncr und Füßli in Zürich gehörtenjedenfalls nicht zu diesen befragten Buchhändlern; aber denen wurde dannzugerufen: „Man muß auch nicht blos intreßirt denken; man muß auchaus patriotischem Gefühle handeln. Denken Sie sich einmal den Nutzen,der in Deutschland entsteht, wenn die besten Schriftsteller künftig nichtnur in den Bibliotheken der Reichen, die sie mchrcntheilö nicht lesen,zum Pracht da stehen, sondern in den Häusern der Bürgern, in denHänden eines jeden seyn werden!"^ „Ich bin so wenig geneigt denVorwurf des "Nachdrucks von mir abzulehnen", erklärt der MünchcnerBuchhändler Strobl, „daß ich vielmehr den von mir veranstalteten Nach-druck für ein Verdienst um die Littcratur überhaupt und um die Auf-klärung meines Vaterlandes anrechne."
Die allgemeinen Einwendungen, die gegen all das vorgebrachtwurden, liegen auf der Hand. Der heilige Crispin, der das Leder stahl,um es den Armen zu geben, bleibt nichts destowcnigcr ein Dieb. DerWert einer Ware, sagt Feder, besteht in ihrer Vcrwertbarkeit; die buch-händlcrische Vcrwertbarkeit des Buches ist seine Absatzfähigkeit; wieriesengroß also auch der Absatz eines Buchs sei: gerade dieser Absatzist der Wert gerade dieses Buches, und wer ihn mit Absicht auch nurum das geringste vermindert, handelt ebenso wie einer, der einem Ver-käufer das Stück Leinwand zerreißt, das er verkaufen will. Man führteauch hier aus, daß der Nachdruck gar nicht unter den Begriff der Kon-