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kurrenz gehöre.^ Man malte in den schwärzesten Farben die Folgen aus,die es für Gelehrsamkeit und Kultur haben müsse, wenn dem Verlagdurch den Nachdruck der Überschuß au Gewinn aus den „amüsirenden"Schriften entzogen nnd ihm so die Möglichkeit benommen werde, Werkegeringen und langsamen Absatzes zu übernehmen.^ „Was am leich-testen abgefaßt, was am geschwindesten abgesetzt, wobey der geringsteVerlust ist — das müssen Schriftsteller schreiben und Buchhändlerverlegen, so lange die Pest des Nachdrucks fortdauert"^; was derNachdruck mit der einen Hand dem großen Publikum gibt, nimmter mit der andern dem Gelehrten: er verbilligt unmittelbar diekleinere und meist wertlosere Hälfte der Littcratur und verteuert diegrößere und wertvollere." Sogar das überwuchernde Journalwesen unddarin das übermäßige Kritikeulescn und -Wesen seit Ende der 1760erJahre schrieb man dem Nachdruck, der so die gründliche Gelehrsamkeitzerstöre, auf sein Konto. ^ Man wies auf die inncrn und äußernVorzüge der Originale, die äußerlich und innerlich vielfach so erbärm-lichen und liederlichen Nachdrucksausgaben hin.^ Trattner verbreitetein einer billigern Ausgabe den Messias — aber es war ein kastrierterMessias. „Klopstocks Messias, Schröckhs Kirchcngcschichte u. s. w. werdenerst christkatholisch gemacht, bevor man sie schmicdert."^ Konkurrenz —?Der Nachdrucker war südlich der Mainlinie fast ebenso „Monopolist"wie der Originalvcrleger in Norddcutschland! I. G. Müller erzählt,daß seine österreichischen Freunde, die die echten Müllerschen Romanekennen lernen wollten, sie sich aus Leipzig verschreiben mußten. DieOriginalverleger suchten den Nachdruck vielfach durch Veranstaltung kleinerAuflagen und womöglich rasch und häufig veränderter Ausgaben zu ver-hindern oder unschädlich, wenigstens unschädlicher zu machen; der Nach-druck verteuerte so die Bücher, beförderte inhaltlich übereilte Ausgaben,setzte das Publikum zu häufig in die Lage, veraltete Ausgaben in Händenzu haben.
Wir sehen: der Preis — die Möglichkeit des Absatzes — dieDauer des Absatzes —: das sind die Punkte, auf die wir zu allerletztstoßen.
War der Nachdruck die Wirkung der hohen Bücherpreise, oderwaren die hohen Bücherpreise die Wirkung des Nachdrucks? Beckerfand die Antwort, die schließlich die richtige war: „Die Bücher sind