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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitcl: Sturm und Drang : der Nachdruck.

französischen Verramschen alle Bücher und auf lange Zeit hinaus aufge-speichert sind, die Sortimentskataloge, die Bequemlichkeit des Käufers, imBuchladen alles vorrätig zu finden und einsehen zu können, das rascheBekanntwerden der Bücher in ganz Deutschland , die Förderung, die dasalles für Litteratur und Gelehrsamkeit bedeutet u. s. w. So hat derdeutsche Buchhandel zwei Seiten, die häufig miteinander verbundensind: er ist besonders wertvoll und besonders empfindlich. Der außer-deutsche Buchhandel, in dem jeder Buchhändler ganz auf eigene Faustden Kaufmann macht, ist ein Aggregat, der deutsche Buchhandel einSystem. Man kann im Aggregat einzelne Glieder ungestraft verstümmelnund zerstören; im System dagegen wird durch eine verhältnismäßigkleine Verletzung das Ganze in Mitleidenschaft gezogen. Und wie derOrganismus, so ist der deutsche Buchhandel ein System aus Systemen.Diese Teilsysteme, die Territorien, dünken sich selbständig; ohne zu be-denken, daß, wenn sie sich den Gesetzen des Ganzen nicht einstigenwollen, Teile und Ganzes unmöglich werden.In anderen Fällen hatzwar die dem Teutschen Reiche ganz eigene Verfassung, da dasselbe unterso viele besondere Staaten zertheilet ist, unter anderen auch wohl dieseWirkung, daß ein Land oft gewisse Arten von Handlungen oder Ma-nufaktur in grosser Blüthe haben kann, da andere Teutschc Länder da-gegen in Verfall gcrathen, und das Teutsche Reich im Ganzen über-haupt in solchen Dingen eine armselige Figur macht. Aber der TeutschcBuchhandel stehet für ganz Teutschland in solchem Zusammenhange,daß, wenn derselbe einmal überhaupt untergraben wird, kein einzelnerDeutscher Staat denselben aufrecht halten kann, und daß also der all-gemeine Umsturz aller Vortheile, die bisher sowohl dem ganzen Teut-schen Reiche als einzelnen Ländern davon zugeflossen, auch von denmächtigsten Teutschen Fürsten nicht mehr abzuwenden ist. Da hingegendiejenigen Länder, die bisher vorzüglich beträchtliche Buchhandlungen ge-habt, auch in der Folge desto grösseren Vorthcil davon zu hoffen haben,je mehr überhaupt der Teutsche Buchhandel in seiner bisherigen gemein-nützigen Lage befestiget wird."^'^ Es ist richtig, sagt Pütter, daß sichder Reichsverfassung nach die deutschen Staaten nicht viel anders gegen-überstehen als England und Frankreich . Die sprachliche Einheit seinerlitterarisch von Jahr zu Jahr regeren Bewohner aber bewirkt, daß sichder Debit der deutschen Buchhandlungen tatsächlich über ganz Deutschland