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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Gcllert und Wendler. Steigerung des Honorars.

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seinem Gelde zur Ruhe gesetzt hatte (1766), Geliert in Dürftigkeit heim-gegangen war und der behäbige Verleger ihm in seinem Garten vonOeser eine Marmorsäule hatte errichten lassen, kaufte die WeidmaunscheHandlung von Reichs Wittwe Borräte und Verlagsrecht der GellertschenSchriften für 10000 Rthlr. Wendler stiftete übrigens nach der drittenAuflage der Fabeln drei Stipendien zu je 100 Rthlr. auf je zwei Jahre,im Todesjahre Reichs (1787) mit einem Fonds von 10000 Rthlr.die Wendlersche Freischule für sechzig Kinder unbemittelter Eltern, denendie Schulbücher uuentgeltlich geliefert wurden, und zu Beginn der neun-ziger Jahre sechs Konvikt-Freistellen für Leipziger Studenten, die ausNürnberg und dem im Umkreise von drei Meilen um die Stadt liegendenGebiete gebürtig waren. Für die Lehrgedichte, die Wendlcr sogleich in6000 Exemplaren, das Exemplar zu 6 Groschen netto, auflegte, erhieltGeliert von ihm 45 Rthlr.^

Das Verhältnis Gellert-Wendlcr war während des ganzen ReichschcnZeitalters das Schulbeispiel derer, die den Buchhandel wegen des em-pörenden Mißverhältnisses zwischen Honorar und Verlcgergewinn an-klagten. Der Buchhandel alten Stils aber schrie gleichzeitig Zeter überdie sündhaft hohen Honorare, die von den Nettohändlern bezahlt würden.Einige Leipziger Buchhändler waren die ersten, die den gedruckten Bogenum ein sechsfaches hoher dem Autor bezahlten, als es auf der Buch-handlung vorher erhört war."^ Als Christian Wolff (16791754)von Nenger in Halle für den Druckbogen seiner Werke einen Louisdor,also 5 Thaler bekam, galt das für ein starkes Honorar; und höhereHonorare, die ihm bereits von anderer Seite angeboten wurden, schluger aus.° Klopstocks Honorar für denMessias" dagegen stieg von1749 bis 1773 von 3 bis auf 12 Thaler? pro Bogen, und ebensovielerhielt er in demselben Verlage bereits 1762 für die zweite Auflage derAbhandlung von der heiligen Poesie. Als Prototyp dieser Veränderunggalt auch hier Philipp Erasmus Reich . In den vierziger Jahren er-hielten die Leipziger Bahrdt, Teller und Hofmann in der WcidmannschenHandlung für ihre Predigten 1^/z und 1^/z Thaler pro Bogen, zumTeil in Büchern. Später erhielten Reichs Autoren ganz andere Ho-norare^; es waren aber auch andere Autoren. Der Durchschnittssatzder niedrigem Honorare betrug 5, 6, 6'/.2 Thalcr; geringere Sätzesind Ausnahmen. Das Honorar der ausgezeichneten Autoreu der Hand-