Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120

3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

lung stieg aber bis auf das Doppelte. Ein Reichsches Honorar vonetwa 12^2 Thalern (rund 90 Mk.) nebst einigen Dutzend Freiexemplarengalt in den siebziger Jahren als das Höchste, was ein deutscher Schrift-steller erwarten konnte. ^

Der Durchschnittssatz der Honorare für gewöhnliche Übersetzungen,d. h. die nicht dm Charakter mehr der Bearbeitung als der, Übersetzungtrugen, blieb, wie allgemein so auch bei Reich noch derselbe, für denin den fünfziger Jahren Lessing bei ihm ums Brot übersetzte, etwa2 Thaler. Allein auch hier wurden hervorragende Übersetzer hervor-ragender Werke jetzt mit dem Doppelten und Dreifachen honoriert. Bodeerhielt für die Übersetzung von GoldsmithsLandpredigcr" 5 Thaler,Rcinhold Förster für diejenige von Cooks Reisen 7 Thaler."

War das Schulbeispiel der Schriftsteller des Reichschen Zeitaltersfür die empörende Geringfügigkeit des Honorars das Verhältnis zwischenGellert und Wcndler, so war dasjenige der Rcichsbuchhändler über seineunsinnige Höhe das Verhältnis zwischen Reich und Wieland. ^ Esist ein bezeichnender Ausschnitt aus der Geschichte der Honorarvcrhält-nisse zugleich in weiterer Hinsicht. Wiclands schriftstellerische Laufbahnbegann in der Schweiz ; hier, bei Orell, Geßner, Füßli Comp, inZürich , hatte er für die Komischen Erzählungen 5 fl. (3 Rthlr. 8 gr.)pro Bogen erhalten; sie brachten ihm im ganzen 8 Louisdor, derAgathon 1 Louisdor, die Poetischen Schriften ungefähr 1 Dukaten; dazukam die Chikanc durch die Censur; endlich fand er, wie er sagte, über-haupt keinen Verleger mehr. Da nannte man ihm Reich in Leipzig .Welch anderes Bild nun! Eine Wandlung, wie sie sich in der Lebcns-geschichte damaliger Schriftsteller so manchmal findet; Bahrdt z. B. er-zählt, er habe früher, in seiner Gießener Zeit, mit seinen Arbeiten wenigverdient, weil erden Weg zu den sächsischen und preußischen Buch-händlern noch nicht gefunden" gehabt habe,deren Louis'dore in Giessen9 Gulden galten. Und die Frankfurter glaubten Wunder was sie be-zahlten, wenn sie 5 Gulden für den Bogen sich abtrotzen ließen".^Genau so schilderte man den Unterschied zwischen dem schwerfälligenReichsbuchhändler und dem rührigen sächsischen Verleger, zwischen denerbärmlichen" Frankfurter und den verlockenden Leipziger Honorar-verhältnissen in Oberdcutschland selbst." Als Wieland im Jahre 1769für den Sokratcs 3 Dukatcu, d. h. 8^ Thaler erhielt, schrieb er: