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Während das Buch auf Druckpapier nur 1 Nthlr. kostete. Endlich abersind bei einer Auflage von 1000 Exemplaren 79 "/g, bei einer solchenvon 1500 Exemplaren 72"/,, an Herstellungskosten, Spesen und Buch-händlcrrabatt abzuziehen, so daß den 120 Nthlrn. des Verfassers, dersein juristisches Amt hatte, jedenfalls nicht 1080, sondern 226 resp.302 Rthlr. des Verlegers, der neben dem Büchcrgeschäft keine Amts-einkünftc hatte, gegenüberstehen würden.
Aber es kamen andere Vorwürfe hinzu. „Meinen ersten Verlegerhabe ich, weil er so abscheulich schlecht und fehlerhaft gedruckt hat, ver-lassen; mit dem zweiten habe ich mich wegen einer offenbaren Unbillig-keit, die er mir erwiesen hat, entzweit; den dritten dürfte ich wol beigegenwärtigen schlechten Zeiten, die ihren Einfluß auch auf den Buch-handel erstrecken, nicht finden", schreibt ein Schriftsteller in Wcilburg1772.25 Weygand, der Leipziger „Filz", übersandte Bürger 1775 fürdessen Xenophonübcrsetzung „sechs jämmerliche Dukaten", die 20 Rthlr.vorstellen sollten, also zu 3 Rthlr. 8 gr. gerechnet waren, während siez. B. Reich gleichzeitig zu 2 Rthlr. 20 gr. rechnete, so daß sie beidiesem erst 17 Rthlrn. entsprochen hätten.^ Gelegentlich beruhigendie Verleger ihre Autoren darüber, daß man nicht um etlicher lieberGulden willen drei ergiebige Bogen in zwei zusammendrängen werde. ^Dieses sehr natürliche Bestreben muß also bei den Verlegern recht häufigwirksam gewesen sein. Umgekehrt übrigens wußte der süddeutsche Buch-handel zu berichten, Wendler in Leipzig sei der Erfinder des sächsischenKniffs, das Honorar nach Manuskriptbogen zu bemessen und dann, umdem Buche ein Ansehen und den dazugehörigen Preis zu geben, soweitläufig zu drucken, daß womöglich ein gedruckter einen geschriebenenBogen enthalte; die erste Anwendung dieser schönen Erfindung soll er mitGellerts Lehrgedichten (1745) gemacht habend" Aus Erzeugnissen satiri-scher Launen wird man keine unmittelbaren Schlüsse ziehen wollen — einKörnchen Wahrheit ist doch fast immer darin enthalten: ein kleines Lustspielvom Jahre 1781 läßt einen Leipziger Buchhändler sich einen „Bardcn-sänger" für 100 Rthlr. kaufen, und als seine Kollegen sich darüber verwun-dern, erklärt er schmunzelnd: dafür habe der Herr Autor im Nebenberufedas Amt eines Hausinformators fiir die lieben Kinderchen zu übernehmen.^
In der Schriftstellerwelt flössen beide Erfahrungen: auf der einenSeite dürftigste Honorare, auf der andern Seite anstündigere Honorare,