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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Erbitterte Stimmung dcr Autoren gegen die Verleger.

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dafür aber ein um so größerer Gewinn des Buchhändlers, zu einer ge-meinsamen Wirkung zusammen. Bürger meinte ja allerdings, der Buchhandelsei derintrikatcstc" aller Handelszweige und erfordere Kenntnisse undSpekulation wie kaum ein zweiter, so daß er sich dadurch und durch dasdabeinie ganz zu entfernende Risico" sehr über dengemeinen Handel"erhebe: und darum sei es von einem Gelehrtenniedrig und eigennützig"gedacht, demedlern Handclsmannc" keinen höhcrn alsgemeinen hand-werksmäßigen Profit", den leicht jede Eselei abwerfe, zubilligen zu wollen.^Über dcr allgemeinen Stimmung dcr deutschen Schriftstcllcrwelt aber standals Motto der Spruch aus demLob dcr Gcldsucht" des alten Feindt:Der Dichter säet und Pflanzt,Der Drucker mcih't und pfluck't;und das Wort Voltaires: lidraires st les aeteurs sont 1e8

ersg-turss äs« ^.nteui's, et, ees ereaturss traitent kort, wal Isursei'satöui's", und Popes:

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waren Sätze, die der damalige Schriftsteller oft und gern im Mundegeführt hat.Dem ungeachtet", führt Goethe nach der Schilderungdes alten patriarchalischen Verhältnisses zwischen Verleger und Autorfort,war unter den deutschen Autoren eine allgemeine Bewegung ent-standen. Sie verglichen ihren eigenen, sehr mäßigen, wo nicht ärmlichenZustand mit dem Neichthum dcr cmgeschcncn Buchhändler, sie betrach-teten, wie groß der Ruhm eines Gellert, eines Nabcner sey, und inwelcher häuslichen Enge ein allgemein beliebter deutscher Schriftstellersich bchelfcn müsse, wenn er sich nicht durch sonst irgend einen Erwerbdas Lcbcn erleichterte. Auch die mittleren und geringeren Geister fühltenein lebhaftes Verlangen, ihre Lage verbessert zu sehn, sich von Verlegernunabhängig zu machen."^ Eine allgemeine Gehässigkeit und Erbitte-rung gegen den Buchhandel wuchs in den breiten Schichten der neuenSchriftstcllerwelt zu Riesengroße empor. Wenn Herder an Hartknochschrieb:Euch Buchdrucker, Verleger und Buchhändler sollte überhauptalle der leidige Teufel Holm, wie er Eucrn ersten Ahnherrn, Erfinderin Deutschland , weiland Dr. Faust geholt hat. Die Autoren leben vonden Brosamen, die von des reichen Herrn Tische fallen, wie die Hünd-lein und dann wollen sie ftie Verlegers noch knausern. Verbrennen