Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126 3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

sollte man Euch, wie Sardanapal, auf Euren Papicrschätzen, mit Weibund Kindern", so war das ein Scherz; aber ein Scherz entbehrt derWürze, wenn sich in ihm nicht, und wenn auch in noch so gelindenUmrissen, die Verhaltnisse der Wirklichkeit spiegeln. Dieser Scherz warmöglich nur in einer Zeit, in der dem Buchhändler die Ohren gelltenvon gleichen, aber im allerbitterstcn Eruste gethanen Anklagen und Schmä-hungen. Der Schriftsteller war der arme Mann, dem der Verlegeraus Erbarmung eine Kruste trocken Brod" hinwarf, während er selbstFasanen speisete und guten Burgunder dazu trank".Je mehr seinBauch znnimmt, desto stolzer wird er, und desto weniger bezahlet er",er, der Buchhändler,zu dem noch weniger Kunst erfordert wird, alszu einem Menschen, der mit Äpfel oder Birnen handelt!"^Siewohnen in Palästen, und der Gelehrte nur zu oft in einer schlechtenHütte Sie haben getäfelte Fußboden und marmorne Säle, und derGelehrte hat kaum ein enges Stäbchen Sie opfern dem GottBacchus in Champagner und Tokaier, und der Gelehrte trinkt seinenGerstensaft Letzterer muß auf den folgenden Tag sorgen und Nächtebei der Lampe arbeiten, um seiner Familie den nothdürftigcn Unterhaltzu verschaffen, und Sie durchschwelgcn die Nächte, halten sich Maitresscnund Kebswciber, und leben alle Tage herrlich und in Freuden."^Wir müßten Bogen um Bogen füllen, wenn wir die Äußerungen ähn-licher Art aus damaliger Zeit zusammenstellen wollten. Man fragtebei den dürftigen Honoraren nicht nach den bcsondern Umständen, sondernhielt den Einzelfall sofort an den allgemeinen Maßstab des gesteigertenBewußtseins von Wert und Würde des Schriftstellers überhaupt; undzusammen mit dem um so größern Gewinne des Buchhändlers bei höherinHonorar führte dieser begierige Drang, der unter dem Motto stand:AlleArbeit, mithin auch die des Schriftstellers, hat Recht auf Lohn"4°, dasdoch, die Welt ist nun einmal so, nur heißen kann:nach Lohn zusuchen", dazu, daß man den Buchhändler aus dem Geschäfte des Schrift-stellers überhaupt auszuschalten suchte. Erst eine Reihe gescheiterterVersuche, die Idee zu verwirklichen, hat die Zeit darüber belehrt, daßhier Unmögliches versucht wurde.

Der Selbstverlag als einzelne geschäftliche Aktion eines einzelnenSchriftstellers ist in Deutschland von alters her nicht selten gewesen,