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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Einzclsclbstverlag.

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und er begegnet uns in allen Formen, die dabei möglich sind, von derrohcsten Form an, bei der der junge Autor, der daran verzweifelt,einen Verleger zu finden, ein Werkchen auf eigene oder mit einem gutenFreunde geteilte Kosten herstellen läßt und dann durch Subskription loszu werden sucht, bis zur entwickeltsten SelbstverlagSunteruehmung, wiewir sie in Wieland und seinem Teutschen Merkur vor uns sehen; vonder liebenswürdig-behaglichen Manier des Vaters Gleim an, der aufeigene Kosten hergestellte Werkchen in ganzen Stößen bei sich lagernhatte und seine Besucher damit beschenkte^, bis zu der wahrhaft fieber-haften Betriebsamkeit eines Bahrdt oder Bürger oder hundert und aber-hundert anderer bekannter und unbekannter deutscher Autoren. Auszwei Gründen kann ja der Autor zum Selbstverlag greifen: entwederweil er keinen Verleger findet, oder, wie die Frankfurter Buchhändlerdamals im Jahre 1669 sagten:mehreren gewinns und eigcnnutzenshalber". Beide Gründe hatten den Selbstverlag schon in der Frühzeitauf die Bühne des Buchhandels geführt, und man verband damit keinegegen den Buchhandel gerichteten Absichten, bediente sich vielmehrso weit als möglich dabei des regulären buchhündlerischen Vertriebs,indem man die Exemplare partienweise an Buchhändler loszuschlagenoder, wenn das nicht gelang, sich doch durch Beihilfe guter Freundeund Bekannten die Möglichkeit des Absatzes auf der Frankfurter Messe zu sichern suchte. Später trat dann als willkommenes Hilfsmittel dasaus dem praktischen England auch zu uns herübergekommene Pränume-rationswescn hinzu; es wurde von den Gelehrten mindestens ebensofleißig benutzt, wie von den Buchhändlern. Daneben stand der alt-ehrwürdige Gebrauch der Dedikation, die ja auch sonst gern angewandt,durch ihren Mißbraucht aber fast ganz entwertet wurde." Wasim Buchhandel ein ganzer Geschüftsmechanismus ist, mit seinen wohl-eingefahrcnen und vielverzweigten Geleisen des Kredits, der Geschäfts-verbindung im Buchhandel und den Zweigen der Herstellung, des er-leichterten Absatzes im Tauschverkehr, eines großen und mannigfaltigenVerlags, in dem Erfolg den Mißerfolg ausgleicht: das ist beim Selbst-verleger eine einzige Unternehmung. Er konnte deshalb auch nichtdurch Billigkeit der Preise ausgezeichnet sein.^" Als Wieland 1771 denAgathon " in Selbstverlag erscheinen lassen wollte, setzte er den Sub-skriptionspreis auf 1 Louisdor, d. h. 5^ Thaler fest; als er aber