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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

trotz einer Zahl von 500 Pränumerantcn nicht wußte, wie er Druck-kostcn und Papier bezahlen sollte, übertrug er Reich den Vertag, unddie schöne mit Kupfern und Titelbildern gezierte Ausgabe kostete 3 Thaler16 gr., die wohlfeile 2 Thaler 8 gr., und das, obgleich Wieland vonReich so viel Exemplare bekam, als elfterer Subskribenten sammelte, undselbst gestand, dafür ein Honorar empfangen zu haben, wie es noch keindeutscher Schriftsteller von einem Verleger erhalten habe. Dieser Fall,daß der Sclbstvcrlcger mit seinem Unternehmenins Stecken gcricth"und sich nun in die Arme des Verlegers warf, kam übrigens häufigvor.^ Am aussichtslosesten war der Einzelselbstverlag natürlich dort,wo der Absatzkreis notwendig ein beschrankter ist, die Herstellungskostenleicht höher als die durchschnittlichen sind, auf dem fachwissenschaftlichenGebiete. Von dengelehrten und vernünftigen" Büchern, schrieb Nicolaian Lessing und er dachte dabei noch nicht einmal an die fachwisscnschaft-lichc Litteratur im engsten Sinne, werden die Buchhändler nicht reich,sondern vondummem Zeuge". Klagen erklangen auch damals darüber,daß man dafür keine Verleger finde; so von Reiste, dem gelehrten Rektorder Nicolaischule zu Leipzig .Der Brodgelehrte ist in der Gewalt desBuchhändlers, und dieser richtet sich nach seinen Käufern. Die Wissen-schaften müssen darüber zu Grunde gehen", seufzte cr.^ SolchenKlagen gegenüber ziemt Vorsicht. Klotz in Halle schrieb 1771 an ihn,Reiste wisse vielleicht mit den Buchhändlern nicht recht umzugchen.Hätte ich Ihre Gelehrsamkeit und Ihre Sammlung, ich wollte Ver-leger zu Folianten bekommen. Hat doch sogar Herr Holle itzt des8l>xo Kr. Hiswr. Oanie. von mir verlegt, die ihm wohl 1500 Rthlr.und mehr kosten mag."^ Reiste blieb dabei und ließ auch weiterhinseine Oratoi'ös (-i-aeoi sie erschienen seit 1768 auf Pränume-ration im Selbstverlag erscheinen; und seine Gattin berichtet, daß cbcndiese Qual und Pein es gewesen sei, dieendlich sein Leben mit ver-kürzen halfen". Erquälte sich, bis an seinen Tod, mit einem Ge-schäfte, wozu er nicht gemacht war".^ Wie hatte nicht selbst Wicland,mit dem Deutschen Merkur der erfolgreichste Selbstvcrlcgcr, darüber zuklagen! Am äußersten Ende nach der andern Seite hin stehen obskurePersönlichkeiten, die sich zum Teil der sonderbarsten Mittel und Wegebedienten, um dem Publikum ihre Machwerke aufzuhalsen. In Stürzabei Stolpen in Sachsen lebte z. B. gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts