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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Einzclsclbstverlag. Ziel einer genossenschaftlichen Organisation. 129

ein selbstverlegcnder Prediger undNaturforscher" hatte er doch einNcccpt zu einer grünen Kräuter- und Gesundheir-Butter" (Dresden ,1797, 16 Seiten, 8") verfaßt^, der die öffentlichen Blätter nachTodesanzeigen durchforschte und den trauernden Hinterbliebenen einenrührenden Trostbrief sandte, der von einigen seiner Schriftchen:Überdas Leben",Über den Tod" u. dergl. begleitet war.^ Die LeipzigerZeitung vom Jahre 1801 enthält eine Anzeige, in der sich eine Pre-digerwittwe in Luckau iNiedcrlausitz) alle schriftliche Kondolenz,besondersaber von dem Herrn Prediger zu Stürze, in der Pirnischen Ephorie",verbittet/' Sehr verbreitet war auch der Kommissionsverlag. NachRößig soll die übliche Provision der Buchhändler dabei 50°/<> betragenHabens eine Angabe, die sehr einleuchtend ist und durch einzelne Ver-träge, in denen der Kommissionsverleger 17 "/g erhält^, bestätigt wird;wenn auch sogar ein Mann wie Bertuch , dem doch die buchhändlerischenNabattvcrhältuissc genugsam bekannt waren, darüber empört war und denWcimarischen Buchhändler, der von ihm 50 mit einjährigem Kreditverlangte,abdankte"/"

Daß der Selbstverlag in den meisten Fällen eine mehr als gewagteSache war, das hatte die deutsche Gelehrtemvelt schon lange vorher zurGeniige erfahren, und es gab eine Zeit, in der man, im Unterschiedezu der, von welcher wir hier reden, froh war, daß man das Wagnisauf den Verleger abladen konnte. Ehemals, bemerkte ein deutscher Ge-lehrter im Jahre 1718, kam es vor, daß der Autor sich durch Selbst-verlag arm machte;heut zu Tag", fährt er mit zufriedenem Behagenfort,wollen sich die Gelehrten also nicht mehr anführen lassen, derug.8Äi'ä kommt auf den Verleger an, der mit seinem Verlag nach eigenemBelieben hcmdthiercn mag".^ Jetzt, mit dem ungeheueren Aufschwungpopulärer Schriftstellern, gewann die entgegengesetzte Meinung an Macht.Aber nicht nur in dem außerordentlich verbreiteten Selbst- oder Kom-missionsverlag des einzelnen Schriftstellers lag das Bezeichnende derSelbstverlagsbestrcbnngen jener Zeit, sondern mehr noch darin, daß mansich bemühte, die Organisation eines Selbstverlags möglichst vieler, jaaller deutscher Schriftsteller zu schaffen. Die Tiefe und Weite der einst vonLeibniz entwickelten Ideen ^ besaßen die Versuche unserer Periode, einenichtbuchhäudlerische Organisation des Verlags, ja sogar des Vertriebs

Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 9