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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Leibniz, Pläne Bodes und Lessings.

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Schriften, welche durch Unverstand, Gewinsucht, Haß und Unbilligkeitder Leute liegen bleiben, oder keinen Verleger finden können, ans Licht zustellen. Sie hat dazu einen rühmlichen Anfang gemacht, und ist zu hoffendaß sie andere, sonderlich hohe Häupter, zu gleicher Anstalt reizen werde."^Bei den Unternehmungen, mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben,ist von einem Gedanken, der an jenen Leibnizschen tunäus, gui experimentisvsl iudagatiomdus utilidus iusslviis possst, auch nur erinnerte, keineRede mehr. Die ersten dieser Versuche sind in den sechziger Jahren vonLcssing und Bode einerseits, von Gleim und Bachmann andrerseits unter-nommen worden. Joh. Joach. Christoph Bode (geb. 1730), der feinsinnigeÜbersetzer,von SternesSentimentaler Reise" undTristram Shandy",GoldsmithsLandprediger" u. s. w., gründete mit einem Kapital von16000 Thalern im Jahre 1765 in Hamburg eine Druckerei, undzwar er hatte Beziehungen zu Klopstock , Gleim, Gerstenberg, Zachariü,Sulzer , Basedow, Alberti u. a. mit der gleichzeitigen Absicht, seinGeschüft zu einem nichtbuchhündlerischen Mittelpunkte litterarischer Pro-duktion zu gestalten. Bei seinem ersten vorübergehenden Aufenthalte inHamburg im Dezember 1766 lernte ihn Lessing , der damals die Stel-lung eines Dramaturgen am neugegründeten Hamburger Nationaltheaterannahm, kennen. In Lessing aber arbeiteten schon vorher ganz ähn-liche Gedanken. Zu der Arbeit an der Hebung der deutschen Litteratur,der er sich in Hamburg widmen wollte, gehörte nach seiner Überzeugungauch eine Umwälzung in der Erschcinungs- und Vcrlagsweise der Werkeder namhaften Schriftsteller des neuangcbrochenen deutschen Litteratur-zcitalters. Er hielt den Buchhandel für ein Hindernis dieser Litteraturund wollte sie von ihm befreien. Materielles und ideelles Juteresse warendabei, genau wie es bei dem echten Verleger selbst der Fall ist, un-trennbar verschmolzen. Befreit von der Vermittelung des Kaufmannsund abgesondert von der Masse der mittelmäßigen und untermittelmäßigenlitterarischen Produktion, sollten diese Werke in einer nichtbuchhündlerischenCentralstelle hergestellt werden und erscheinen; so genossen die Schrift-steller den Vorteil, der ihnen zukam, und dem deutschen Nationaltheaterwurde in der Folge der an dieser einen Stelle erscheinenden Werke derbesten deutschen Autoren ein Nationalmuseum der deutschen Litteraturan die Seite gestellt.^ Die Selbstverleger sollten sich nach dem von

ihm erdachten System an einen nichtbuchhändlerischen Kommissionär

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