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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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132 3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

wenden, der erstens nur Werke der besten Schriftsteller, zweitens mög-lichst viel drucken lassen, drittens aber die Werke nicht selbst verkaufensollte. Lessing beabsichtigte jetzt demgemäß die besten Schriftsteller Deutsch-lands für den Gedanken des Selbstverlags zu erwärmen; ihre Werkesollten bei Bode K Comp, gedruckt und vor den Messen im ganzen miteinem Aufschlage von 20 " über die Druckkosten gegen Wechsel an einenBuchhändler verkauft werden. Die Veröffentlichung der bei Bode cd Comp,gedruckten Werke der großen deutschen Selbstverleger sollte in Gestalteines Journals geschehen, das den TitelDeutsches Museum" tragensollte; zu jeder Messe hoffte man zwei, vielleicht auch mehr Bände er-scheinen lassen zu können. Nicolai stellte ihm wiederholt vor, daß dieSchriftsteller, die nach dem Urteile des Gelehrten und des Mannes vonGeschmack die besten seien, damit nicht auch die besten seien für den Buch-händler. Er habe selber, setzte er mit Behagen hinzu, dasbesondereGlück", in seinem Berlage vieleschlechte" Bücher zu besitzen, die gutabgingen. Er suchte ihm weiter klar zu machen, daß, wie der Menschzwar nicht ohne Blut leben, aber doch zu viel Blut haben könne, soder Buchhändler zwar notwendig gut abgehenden Verlag brauche, aberauch den besten Verlag nicht ohne Maß mit Vorteil drucken könne.Und er erinnerte ihn daran, daß ein solider Buchhändler sich nie dazubequemen würde, einem andern das volle Risiko abzunehmen und ihmdafür 20 Gewinn ohne alles Risiko zuzugestehen; wer sich aber solcheBedingungen gefallen lasse, der würde seine Wechsel nicht bezahlen.Nicolais Kritik war aber ohne Erfolg.

Neben dem Selbstverlagsprojekt einher und mit ihm Hand in Handging das Geschäft der Druckerei, dessen Teilhaberschaft Bode Lessingschon im Dezember 1766 anbot. Lessing stellte die Verbindung zwischender Druckerei und dem Nationaltheater her oder, wenn sie vorher schoneingeleitet gewesen sein sollte, so sicherte er sie: die Druckerei sollte dieDrucksachen des Theaters herstellen.

Was Gleim, den Kanonikus in Halberstadt betrifft, so war es jaschon seit lange sein Bestreben gewesen, junge Dichter zu fördern, un-bekannten Talenten den Weg in die Öffentlichkeit zu ebnen. Die deutscheSappho die Karschm hatte ihm 2000 Thaler zu verdanken. Wasfür Lessing Bode, war für ihn Bachmann, der fcingebildetc, mit einemsichern litterarischen Urteil^ ausgerüstete Sohn eines wohlhabenden Magde-