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Römisch Kaiserlichen Gesandten zu Kopenhagen , hatte man die Hoffnunggeschöpft, Kaiser Joseph werde in Wien eine norddeutsche Gelehrtenkoloniegründen, und das Gerücht ging um, er habe 20000 Rcichsthalcr zu Jahr-gehalten für deutsche Gelehrte ausgesetzt. Die Klopstock und Lcssing sahenin ihm den Augustus, den Trajan , den Alfred den Großen des großendeutschen Zeitalters, das mit der Thronbesteigung seiner Mutter angebro-chen war, und für dessen Rolle der preußische Friedrich uicht zu haben war.Und durch das zur Wirklichkeit gewordene „Deutsche Museum" gerade hoffteman auf den hochgesinnten Herrscher zu wirken. Der nüchterne Nicolaiaber behielt auch hier Recht: Akademie und Jahrgehalt, beides waren Ge-rüchte und nicht mehr, und wie mit der Josephinischcn Akademie, so ging esmit dem Lessingschen Journal; auch diese „süßen Träume verschwanden".Gerstenbergs „Ugolino" und Klopstocks „Hermannsschlacht" waren dieeinzigen Beiträge, die, Anfang 1768, wirklich geliefert wurden — inbitterer Enttäuschung mußte Lessing seinen stolzen Plan zu Grabe tragenund die beiden genannten Werke „herausnehmen" und einzeln bei Joh.Heinr. Cramcr in Hamburg und Bremen in Kommission geben (Ugolino1768, Hermannsschlacht 1769). Die Hermannsschlacht wurde dem Kaiserdediziert, köstlich in braune Seide war das kaiserliche Dedikationsexcmplargebunden und mit einem Eichcnzweigc bestickt: das Eichcnblatt war jain der Klopstockchcn Gelehrtenrepnblik der Preis für die, die geistvolleJünglinge förderten. Der Kaiser antwortete mit der Übersendung einermit seinem Bildnisse geschmückten und reich mit Diamanten besetztengoldenen Denkmünze, und begeistert rief eine deutsche Zeitung: „Er-wacht, ihr Deutschen, aus Eurem Schlummer! — Seht auf Euren Kaiser,den großen Joseph, den keine Vorurthcilc fesseln; der den deutschen Musenim königlichen Wien einen Tempel zu bauen verheißt; einen Klopstock,dies Adlcrgcnic, kaiserlich belohnt!" Daß bei dem Widerstande der öster-reichischen Staats- und Kirchcumänncr Thcrcsianischcn Regimes an denWiener Tempel deutscher Aufklärung nicht zu denken war — obgleichsich Lessing selbst schon, an spätere Gedanken Kants gemahnend, damitzufrieden gestellt hatte, daß die Freiheit zu dcnkeu ja überall bestehe:„ein Narr will Alles schreiben, was er denkt" — das mußte Lessing nur zu bald erfahren. Au seiner Überzeugung aber, daß die bestehendeOrdnung ungerecht sei, die Arbeit der edelsten Kräfte nicht schlechterals die gröbste Handlangern bezahlt werden dürfe, und an seinen oben