„Deutsche Gelehrtcnrepnblik." Dessauer „Buchhandlung der Gelehrten". 151
Borschuß von 5) sl. pro Druckbogen erhalten. Unverkaufte Exemplarebehält die Gesellschaft gegen einen „billigen Ersatz" an den Autor aufe'gcnc Rechnung. Wie exakt das Büchlein vorzurechnen versteht, daßdem Autor bei einem Bogenpreise von 4,5 Pfennig ein Gewinn vonII Thalcrn pro Bogen unfehlbar sicher sei, die Gesellschaft aber dabeitrotzdem einen Gewinn bis zu 75"/„ macht, das muß man in seinen?(^onto tmt,o ^ nachlesen. Die Gesellschaft bildet einen Fond von 10000 fl.,der in Aktien zu 50 fl. verteilt wird, und gründet ein „WohlthtttigcsInstitut" zur Unterstützung unverschuldet ins Elend geratener Schrift-steller und ihrer Wittwcn und Waisen (am Nicderlagsplatz werden einWittwcnhaus und zwei Waisenhäuser errichtet) und zur unentgeltlichenErziehung junger Genies.
Oder war das Schriftchcn mehr als eine Satire nur der allgemeinenBewegung? Wußte sein unbekannter Verfasser um neu sich vorbereitendeUnternehmungen? War mit dem deutschen Fürsten als Protektor desUnternehmens ein anderer gemeint als Kaiser Joseph? — Ein solchesUnternehmen bereitete sich damals jedenfalls in der That vor; das größteEreignis in der Geschichte des deutschen Selbstverlags stand den Zeit-genossen bevor: die Gründung der Dessauer „Buchhandlung der Ge-lehrten"/-'" Ihr „Erfinder " — so nannte er sich selbst — war derMagister Karl Ehristoph Reiche, geboren zu Anfang der vierziger Jahre.Er studierte in Frankfurt a. O. und war zuerst Pfarrer in Garz beiHavclbcrg, dann aber, nachdem er wegen seines extrciücn Rationalis-mus^"", vielleicht aber nicht nur deshalb"" abgesetzt worden war, vierJahre lang Buchhändler gewesen; zu Ende der siebziger Jahre wirkte eran Basedows Dessaucr Philantropin.
Reiche rechnet für den Bogen Satz und hundertmal abgedruckt (Groß-vktav, Cicero) uebst Korrektur 3 Thaler, für drei Ballen Papier 12 Thalcrnnd berücksichtigt auf je 1000 Bogen 25 Bogen Zuschuß; die Kostenfür Satz, Druck, Korrektur und Papier betragen dann für ein Alphabetin 1000 Exemplaren 126 Thaler. Nehmen wir an, das Exemplareines mit den genannten Kosten hergestellten Buches von der Stärkeeines Alphabets, dessen Herstellungskosten also 3 gr. betragen würden,werde für 20 gr. verkauft. Wie verhält sich alsdann der Gewinn desVerlegers zu dem des Verfassers? Reiche nimmt als Durchschnittö-honorar pro Druckbogen bei einem vermuteten Absatz von 400, 500,