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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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HartmannsGelehrten-Institut". 155

quittiert hat. Der Verfasser kann sich jederzeit in Dessau oder Leipzig selbstoder durch Beauftragte von der Richtigkeit der Angaben über Absatz,Defekte u. s. w. überzeugen; die Handlung wünscht es sogar. DasSichcrhcitsmittcl der Pränumeration schließt Reiche ausdrücklich aus.Er hielt es nicht nur für unvornchm, sondern auch sür nutzlos. Derniedrigere Pränumcrationsprcis, die Provision der Kolligcntcn, das Geld,das noch außerdem an ihren Händen kleben bleibe, die Versendungs-kosten, das Briefporto alles das bewirke, daß auch das beste Prä-numcratiouSgcschäft nicht völlig zwei Drittel des Ladenpreises einbringe.

Der Ruhm desErfinders" wurde Reiche von einem Berlinerstreitig gemacht. Wir würden dieser Streitigkeiten nicht gedenken, wennsie nicht unter vielen andern Beispielen ein besonders bezeichnendes dafürwären, mit welcher starken und weitverbreiteten Strömung wir es beidiesen Dingen zu thun haben. Die Idee des organisierten Selbstverlagstritt dabei nicht, wie bei Reiche, rein und ungemischt auf; aber dieZiele, mit denen sie verbunden ist, sind wieder von bcsonderm geschicht-lichem Interesse. Anch für den Sekretär bei der Berliner Lotterie-Direktion Fr. Tr. Hartmann war das Leitmotiv: Siehe, die Zeit istnahe herbeigekommen,da die deutschen Musen nicht länger ihre Knecht-schaft ertragen und ihre Fesseln abschütteln wollen". Es handelte sichaber nicht nur um die deutschen Muscu und ihre Knechtschaft, sonderndie preußischen Papicrmüllcr und Druckercibcsitzer und die lanocSvcr-räterische Abhängigkeit der preußischen Perleger von den Urhebern allerÜbel: den Leipzigern. Mit vollem Pinsel und satten Farben wird auchhier die Gestalt des Verlegers in ihrer ganzen Verworfenheit gemalt.Wer eine Kcnntniß von Buchhändlern hat, der wird zugeben, daß sievon Jahr zu Jahr fetter werden", mit diesem, mit der selbstverständ-lichen Gewißheit eines naturwissenschaftlichen Grundsatzes vorgetragene!?Diltum beginnt diese Schilderung. Der eine hält sich einen Fuchs,der andere ein Häuflein Maitrcsscn, der dritte badet sich in allenWohllüstcn: alle drei aber ringen dabei unaufhörlich die feisten Hände,wehklagen über beständige Verluste und reichen den Autoren kaumsoviel von ihrem Überfluß, daß es zu Holz und Brote reicht. Washaben sie selbst zu ihrem Reichthum gethan? Sie schaffen sich einenJungen an, der die Bücher verkauft das ist alles. Wenn aberdie Schriftsteller ihres Geistes Cigcnthum selbst verlegen wollen