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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Begründung der DessauerVerlagskassc".

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Der einzige Weg zu einer bessern Belohnung bestehet darin, daß be-rühmte Schriftsteller, die einem Staate wahrhaft nützlich sind, zusammentreten, einige Contors im Laude errichten, und sich die Einnahme fürihre Schriften von Heller zu Heller berechnen lassen." ^ Da nun aberdie Dessauer Anstalt mit dem Selbstverlagsgedanken nicht zugleich dender buchwirtschaftlichcn Befreiung aus den Fesseln der Leipziger verband,sondern, wenn sie gedieh, für Preußen buchwirtschaftlich nur ein anderesLeipzig zu werden versprach, so rief er jedenfalls nun mit lauter Stimmezur Gründung einer preußischen Konkurrenzanstalt mit den oben ge-nannten Zielen auf. Jedes andere Mittel zu ihrer Unterdrückung schienihm ebenfalls recht: nicht nur Steigerung der Verlegerhonorare oderBoykottierung durch den Gesamtbuchhandel, sondern auch grundsätzlicherNachdruck des gesamten Dessauer Verlags; nur hielt er keins davon fürdauernd durchführbar. Einen Erfolg haben Hartmanns Bemühungennicht gehabt.

DerBuchhandlung der Gelehrten" trat noch in der Zeit ihrerfrühesten EntWickelung ein spekulatives Unternehmen zur Seite das be-stimmt war, eine fühlbare Lücke, die jene zeigte, auszufüllen: eineDessauer Aktiengesellschaft, die, am 1. Mai 1781 alsVerlagscasse fürGelehrte und Künstler" angekündigt, die Herstellungskosten vorschoß undauch Barvorschüsse im Höchstbctrage von 4 Rthlr. pro Druckbogen leistete.Natürlich mußte die Gesellschaft mit, der Übernahme des Wagnisses auchdie andere Seite des gewöhnlichen Verlags verbinden: das Recht derBegutachtung nnd der eventuellen Ablehnung. Wurde das Manuskriptangenommen, so mußte hier weiter ein förmlicher Verlagsvertrag auf-gesetzt werden. Der Kontrakt gilt aber stets nur für eine Auflage.Auf dieHandlung" sind auch hier 33Vz°/<> gerechnet. Die übrigen662/z°/ fallen so lange an die Verlagskasse, bis ihre Auslagen gedecktsind. Von dem alsdann sich ergebenden Reingewinn von "/ ziehtdie Gesellschaft für sich 11^/z"/« ab, sodaß dem Autor 55 "/ verbleiben;hat ihm die Gesellschaft außerdem einen Barvorschuß von 1, 2, 3 resp.4 Thalern pro Bogen geleistet, so kommt dazu ein weiterer Abzug von11/2, 3, 5, resp. dazu die Lieferung von 5 Freiexemplaren. Ließder Verfasser an einem andern Orte als Dessau drucken, so trug er dieTransportkosten; das waren die einzigen Unkosten, die ihm entstehenkonnten. Daß man ihn gerade sie tragen ließ, geschah wohl in der