Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

Z.Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

Absicht, ihn zur Drucklegung in Dessau geneigter zu machen. Sindvon einer Schrist in drei auseinander folgenden Jahren nicht mehrals je 5 Exemplare abgesetzt, so hat die Gesellschaft das Recht, sie fürMakulatur zu erklären. Der Verfasser kann sie als solche zurückkaufen;andernfalls thut es die Gesellschaft und gibt dem Verfasser vom Erlös88'/,

Die Verlagstassc bot dem Schriftsteller eine Sicherheit, wie sie nurüberhaupt möglich war. Allerdings konnte er, wenn er keinen Bar-vorschuß empfangen hatte und der Absatz die Herstellungskosten nichtdeckte, nichts gewinnen, während er beim gewöhnlichen Verleger unterallen Umständen sofort einen sichern Gewinn in der Hand hatte, gleich-viel hier, von welcher Höhe. Gewährte aber die VerlagSkassc Vorschuß,so leistete sie damit sogar dasselbe wie der Verleger, denn wenn dieKasse nicht auf ihre Kosten kam, so hatte ihn der Autor nicht zurück-zuerstatten. Daß der Autor nichts gewann, das war aber auch imUnterschiede zurBuchhandlung der Gelehrten" das Äußerste, was ihntreffen konnte; er konnte in jedem Falle nur relativ, nie aber absolutverlieren. Konnte die Kasse ihre Auslagen aus dem Absatz des Werkesnicht decken, so war der Verfasser weder zu einem Ersatz, noch zurRückzahlung des Barvorschusses verpflichtet.

Verlagskasse und Gclchrteubuchhaudlung waren nicht Glieder einesgemeinsamen Unternehmens. Die Verlagskasse wurde gegründet als einedurchaus selbständige Unternehmung, die sich ausdrücklich vorbehielt,allebis jetzt bekannten Wege des Debits" einschlagen zu dürfen, also nichtetwa nur durch die Gelchrtcnbuchhandlung; im Kontantgcschäft ebensogutwie aus Kredit, das letztere, wenn sie sich der Vermittlung der Gelehrten-buchhandlung bediente, auf ihre eigene Gefahr.

Im April erschien das erste Stück derBerichte der allgemeinenBuchhandlung der Gelehrten". Reiche schuf damit ein zweckmäßiges,reichhaltiges und vornehmes Organ, von dem im ganzen 45 starke Num-mern erschienen sind. Sie gaben zuvörderst Nachricht von den Ein-richtungen und Angelegenheiten der Handlung, sie kündigten die bei ihr,später dann auch die bei der Vcrlagskussc erschienenen und künftig er-scheinenden Werke an und veröffentlichten die Namen derBeförderer".Dem Zwecke, einer feindlichen Haltung der Kritik entgegenzutreten, dientenSelbstanzeigen, die durchweg knapp und sachlich gehalten sind, und so-