Niedergang der Dcssauer Gelchrtenbuchhandlung.
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der Kommerzdeputation vom Buchhandel ganz richtig so angegebenworden — und sich damit in Verhältnisse gestürzt, die ihr bei der Aus-dehnung ihres Verlags über den Kopf wachsen mußten. Reiche hattezur Michaclismcssc 1781 Kommissionshandel und halbjährlichen Kreditzugestanden. Dabei blieb es nicht. Die entfernt wohnenden Auswär-tigen erklärten, daß ihnen der Kommissionsvcrkehr, da sie nur zur Zeit derOstermesse Fuhrgelegenheit Hütten, nur unter der Voraussetzung desJahreskrcdits möglich wäre. Schon in der darauffolgenden Ostermesse1782 gab Reiche der Forderung nach; und in der Michaelismesse des-selben Jahres sah er sich genötigt, die neue Vcrkchrswcise — Kom-missionshandel mit jährlicher Abrechnung zur Ostcrmesse — den Buch-händlern überhaupt zuzugestehen. Die Verlagskasse gab für ihre Artikelzu beiden Krediterwciterungcn ihre Zustimmung. Daß der erste Schrittvom Wege des reinen Bargeschäfts schließlich bis hierhin führte, warnicht verwunderlich; aber erst als man bis dahin gelangt war, gewahrteman eigentlich, was geschehen war. Der Privatmann empfindet die Zu-mutung, anderthalb Jahre auf sein Geld warten zu müssen, ganz andersals eine Firma, die im Großen rechnet und Jahre und Jahrzehnte um-spannt. Diesen Mißstand suchte Reiche mit Hilfe der Borausberechnungdes Minimalabsatzes durch den Nachbezug nach Möglichkeit abzuhelfen:die Handlung nahm Namensmcldungen von solchen an, die Gelder gegen6 "/g Zinsen bei ihr anlegen wollten, und stellte dann Assignationcn aufden Namen eines Autors in Höhe des Nachbezugs seines in Kommissionabgenommenen Artikels aus, für die sie nach Leipziger Wechsclrecht haftete.Ferner sollten dem Autor, wenn er der Handlung auf je 100 in Kom-mission gelieferte Exemplare 4 gutrechnete, böse Schulden nicht angerechnetwerden. Kredit und Kommissionshandel waren aber nicht die einzigenPunkte, die Reiche verderblich wurden. Die sächsische Ostermeßrelationvon 1783 bemerkt, daß die Vcrlagskassc eher von Bestand sein könnte,weil sie „nur allein zum Druck der von Gelehrten beifallswcrt erkanntenWerke die Kosten vorstrecke". Die Gelchrtenbuchhandlung warf in derOstcrmessc 1782 150 und in dcr Ostermcsse 1783 200 Novitäten aufden Markt, die bis zu ihrem Erscheinen keiner andern als der Kritikdes eigenen Verfassers unterworfen gewesen waren. Im Juni 1783veröffentlichte Reiche in seiner Bedrängnis einen Aufruf „an die scimmt-lichcu Autoren". Er, der die Schriftsteller aus den Fesseln des buch-