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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

händlerischen Systems hatte erlösen wollen, beschwor jetzt als der Buch-händler, der er geworden war und immer mehr wurde, die Autoren, dieEigentümlichkeiten, auf denen eben jenes angefeindete System aufgebautwar, doch einsehen und respektieren zu wollen. Er wies auf die allgemeinenSchwierigkeiten des Absatzes hin, die in der allzustarken litterarischenProduktion, in der großen Verbreitung von Journalen und gelehrtenZeitungen, Bibliotheken und Lesegesellschaften, in dem Umstände, daß ge-wisse Bücher aus gewisse abgegrenzte Kreise und Gegenden notwendigbeschränkt seien, begründet sei. Das Prünumerations-Assignationswesenhatte den Zudrang verstärkt. Reiche erklärte den Leichtsinnigen, daß derBuchhändler sich dem Vertrieb pränumerierter Bücher nur ungern widme,weil er annehme, daß die Interessenten ihren Bedarf schon durch diePränumeration gedeckt haben würden; er rief ihnen zu, daß keiner sichan die Gelehrtenbuchhandlung wenden solle, der nicht wirklich Absatz-fähiges zu bieten habe, es aus eigenen Mitteln drucken lassen und min-destens zwei Messen aus die ersten Zahlungen warten könne. DieGelehrtenbuchhandlung sei nicht im Stande, das Bücherschreiben fürjeden zum Lebensunterhalt zu machen! Es sei nicht ihre Absicht, die Weltmit neuen Büchern zu überschwemmen! Und das waren nicht die ein-zigen Schwierigkeiten, die ihm seine Autoren verursachten. Die Ge-lehrten, die sich seiner Handlung bedienten, waren ja nicht nur seineAutoren, sondern zugleich seine Geschäftsfreunde: sie stellten ja Verlags-sirmen dar, er war nur ihrGeneralcommis". Aber was verstandensie von den kleinen Handgriffen, die auch der buchhündlerische Betriebnötig hat? DieBerichte" enthalten die verzweifeltsten Klagen darüber.Dazu kam, daß Reiche die Geschäftsgrundsätze, die er als notwendigerkannte, nicht frei und ungehindert anwenden konnte er war ja inallem an die Verfügung der Autoren gebunden. Welche Mühe gabensich dieBerichte" wiederholt, ihnen den Kommissionsbuchhandel inmöglichst laienhafter Darstellung aufs umständlichste zu erklären! Ihnenklar zu machen, warum man ihn annehmen müsse! Auf welche Schwie-rigkeiten stieß die Zulassung des Jahrestrcdits! Und was alles solltenicht, halb geschäftlicher und halb persönlicher Natur, die Handlung inLeipzig für ihre Autoren besorgen! Auch darüber stießen dieBerichte"wahrhaft verzweifelte Klagen aus. Und noch nach einer ganz andernSeite hin machten ihm seine Autoren Sorge: es kamen Versuche vor,