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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Niedergang der Dessauer Gelehrtenbuchhandlung.

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die der Gelehrtenbuchhandlung anvertrauten Werke daneben ganz aufeigene Faust zu vertreiben. Reiche bat inständig, an Buchhändlerhöchstens kleine Partien von 5 bis 10 Exemplaren und nicht unter ^/zdes Ladenpreises zu verkaufen.

DieBerichte" geben an, daß die Geschäfte täglich wüchsen, unddie Autoren lasen es mit Genugthuung. Aber die wachsenden Geschäfteder Handlung verstopften ihre Kanäle. Einzelne Beförderer gaben schonim Jahre 1782 die weitere Besorgung der Angelegenheiten der Gelehrten-buchhandlung auf, weil sie ihnen alle Kleinigkeiten einzeln zuschickte unddadurch außerordentliches Briefporto verursachte, und weil sie auf ihreAnfragen in der allgemeinen Hast keine Antwort bekamen.^

Was konnte unter diesen Umständen für den Buchhandel aus demUnternehmen anderes herausspringen als Vorteil? Das stellte mit Be-hagen das Schriftchen eines Buchhändlers aus dem Jahre 1782 fest:die Schriftsteller werden, durch die Erfahrung gewitzigt, von ihren über-spannten Forderungen auf billige Ansprüche zurückkommen und das Pu-blikum wird sich nicht mehr über teure Bücherprei'c beklagen dürfen.^"'Wir haben in der That oben gesehen, daß die Dessauer Preise hinterdem Durchschnittspreis nicht zurllckblieben. Daß dem aber so war, daßder maßgebende Kreis des Buchhandels keineswegs mit Dessau zu pak-tieren gesonnen war, darüber hatte denen, die sich infolge der rosigenDarstellung der Michaelismesse von 1781 in Reiches Berichten irrigenVorstellungen hingegeben hatten, schon die darauffolgende Ostermessc von1782 die Augen öffnen können. Damals lief ein Circular um, dasden Buchhandel aufforderte, mit Schneider als dem buchhändlerischenKommissionär der Gelchrtenbuchhaudlung jede Handelsverbindung auf-zuheben. Schneider mochte seinen übereilten Schritt wohl schon längerbereut haben; jetzt kündigte er Reiche die Kommission auf. Reiche konnteihn nicht einmal durch einen Diener ersetzen; keiner wollte, berichteter, zur Buchhandlung der Gelehrten gehen,indem er mit andernden Untergang der Handlung befürchtete, und nach demselben gar nichtsähe, was er machen, und wie er sich wieder zu Männern würdewenden dürfen, die er zuvor durch seinen Zutritt zu der Buchhandlungder Gelehrten erzürnen konnte". Es blieb ihm, da der Schwerpunktdes Geschäftes sich mehr und mehr von Dessau nach Leipzig verlegte,nichts übrig als ganz nach Leipzig überzusiedeln; er erwarb das Leipziger