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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

Bürgerrecht, um auch außer der Messe hier einen offenen Laden haltenzu können bis, wie er in den Berichten beruhigend erklärte,der, nurnoch geringe Widerstand einiger wenigen Herren" nachgelassen habe. Esbefanden sich seitdem in Leipzig Reiche, ein Buchhalter und 4 Gehilfen.

Reiche that sein möglichstes, die Verkchrsweisen, die der Buchhandelbot, auszunützen, seine Autoren zu belehren und immer höhere Dämmegegen die immer höher steigenden Fluten zu errichten. Schon im No-vember 1781 bietet er sich an, ausländisches Sortiment ohne Gewinn undnur gegen Erstattung des Briefportos und der Fracht zu verschaffen undden Verlag aller deutschen Buchhandlungen nach dem Auslande zu ver-treiben. Er hat sogar versucht, neue Abzugskauäle anzulegcu: er versuchte,den Markt auf das deutsche Amerika auszudehnen. An mehreren ameri-kanischen Plätzen sollten Niederlagen gegründet und Kommissionen ein-gerichtet werden. Er bat die Autoren der Handlung, ihm zum erstenVersuche je 10 bis 12 Exemplare unberechnet zur Verfügung zu stellen,und er hoffte dasselbe von Buchhändlern und Privatleuten, die sich imBesitze ältern, in Deutschland nicht mehr gangbaren Verlags befänden,der hier keinen andern als Makulaturwcrt mehr besaß. Zur Ostermesse1784 wurden in der That vier große Ballen abgesandt. Allein gerade,je mehr Reiche sich selbst aufbürdete, desto rascher mußte der Zeitpunktherannahen, an dem er sich gestehen mußte, daß er der Last nicht mehrgewachsen war.

Gerade um die Zeit, in welcher Reiche an der Fortführung derGelehrtenbuchhandlung verzweifelte, und in der damit das Ende gekommenwar, zu Anfang des Jahres 1785, zeigte sich auch bei der Verlagskasseder Anfang zum Ende. Die Vcrlagskasse war ein Akticnuntcrnchmen;und welchen Kredit sie in den ersten Iahren genoß, das zeigte sich daran,daß sich ihre Autoren mit Aktien honorieren ließen, ja auch Aktien außer-dem nahmen. Wieland bekam für Horazens Briefe Aktien in der Höhevon 500 Thalern und außerdem kaufte er noch solche in derselben Höhean. Schon seit dem Jahre 1783 bedurfte die Kasse der Aufnahme nichtunbeträchtlicher Anleihen; sie erhielt sie von den verschiedensten Seiten.Basedow hat ihr im Winter 1783 aus 1784 3000 Thalcr zu 4^"/<,vorgestreckt. Aber die Zinsen wurden schlecht oder gar nicht gezahlt;der Zinsfuß begann zu steigen, anfangs auf 5, dann auf K "/; und mitdem Jahre 1785 begannen Aktionäre und Gläubiger unruhig zu werden.