Untergang der Dessauer Gelehrtenbuchhandlung und Verlagskasse. 171
Wie es im Innern dieses Gesellschastsverlagcs aussah, das sind wir inder glücklichen Lage, im Spiegel der Ersahrungen und Beobachtungeneines Buchhändlers von Beruf festgehalten zu sehen. Im Jahre 1781war der junge Bremer Kausmannssohn Georg Joachim Göschen , nach-dem er im Jahre 1767 bei I. H. Cramer in Bremen seine Lehrzeit be-gonnen und darauf von 1768 bis 1781 bei Crusius in Leipzig fortgesetztund beendet hatte und neun Jahre Handlungsdiener gewesen war, alsGeschäftsführer in die Verlagskasse eingetreten. Nach ihm krankte dieUnternehmung an zweierlei: an der Vielköpfigkeit der Leitung und ander Gebundenheit einerseits an die Oberaufsicht der Regierung, andrer-seits und besonders an die Gelehrtenbuchhandlung, und dasselbe sprachenEingaben der Vcrlagskasse selbst aus. Die Verwaltung war ungenügend,die Ansichten waren allzuhäufig geteilt. Die herzogliche Oberaufsichtscheint ähnlich erschwerend gewirkt zu haben wie ein Kriegsrat am grünenTisch. Das Verderblichste aber war ihr Verhältnis zur Gelehrten-buchhandlung. Göschens Unbcfriedigung stieg von Jahr zu Jahr, undimmer mehr befestigte sich in ihm die Überzeugung von der Undurch-führbarkeit des Systems. Müde der Unentschlosscnheit und eines Vor-gehens, das dem gesunden Menschenverstände widerspricht, so schrieb erzu Anfang des Jahres 1785 abermals an Bertuch , gequält und geärgertin einer Stellung, in der er handeln solle, und in der Handeln absolutunmöglich sei, habe er sich entschlossen, nach Ostern ein eigenes Geschäftunter seinem Namen zu gründen.
Und mit dieser Gründung der Selbständigkeit Göschens sollte sichnun die Geschichte der Auslösung der Gelehrtcnbuchhandlung aufs engsteverknüpfen. Das gestrandete Schiff, das Reiche verließ, Göschen erwarbes, nicht sowohl, um es wieder flott zu machen, als um seine Plankenbeim Bau eines neuen eigenen Fahrzeugs zu verwenden. Am 8. Februar1785 kündigte Göschen dem Buchhandel seine Übernahme des „Comißions-geschäftes der Buchhandlung der Gelehrten" von der Leipziger Ostermesse1785 ab an, und mit Bedeutung heißt es in dem Rundschreiben, erwerde bei diesen Geschäften erstens seinen eigenen, zweitens aber „denBortheil der Buchhandlung überhaupt" vor Augen haben. Die Ver-bindung mit den nichtbuchhändlcrischen Kommissionären wurde aufgehoben,der Rabatt auf erhöht, welcher Erhöhung offenbar eine Ver-
minderung des Anteils der Autoren auf 58^/z entsprochen haben muß.