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vorausgesetzt, daß Göschen nicht auch seine Provision erhöht hat. Daßaber Reiche seine Handlung nicht mit einer Katastrophe enden sehen,sondern in die Hände des jungen Göschen legen durfte, ist ein ver-söhnender Abschluß der Geschichte eines Unternehmens, das von einemSchwärmer, aber keinem unedlen Schwärmer gegründet war.
In demselben Jahre beginnen die ersten Kapitalkündigungen derGläubiger der Verlagskasse, zum Teil unter Anrufung gerichtlicher Hilfe.Im Sommer 1786 verlangten die Dessauer Aktionäre die Einsetzungeiner Untersuchungskommission. Der Stand der Kasse war ein so un-günstiger — die Bilanz vom 1. November 1786 ergab einen mutmaß-lichen Überschuß von 3886 Thaler 9 gr. 6 Pf. und der Barbestandder Handlungskasse bclief sich auf 600 Thater, während sie den Gläubigernin Dessau allein mindestens 5000 Thaler schuldete —, daß man beschloß,die Kasse eingehen zu lassen, die bisherigen Administratoren, die sich„gänzlich unthätig" gezeigt und sich „um nichts gekümmert" hatten, zususpendieren und neue einzusetzen. Die neue Administration sah vonjedem Versuche, der Handlung etwa wieder aufzuhelfen, ab und beschäf-tigte sich nur damit, die Guthaben einzuziehen — die Novemberbilanzdes folgenden Jahres zeigte übrigens, daß der Überschuß nur 708 Thalcr17 gr. betrug; durch die Gelehrtenbuchhandlung hatte man einen Verlustvon 6496 Thaler erlitten: Göschen war für nichts, was vor der Oster-messc von 1785 lag, haftbar, Reiche scheint sich insolvent erklärt zuhaben — alle Werke zu Gelde zu machen und damit so weit als mög-lich die Gläubiger zu befriedigen. Die Druckerei wurde für 1000 Thaleran den Leipziger Buchdrucker Solbrig verkauft; der Verlag wurde ent-weder von den Autoren gegen Zahlung der Forderungen der Kasse ansie zurückgenommen, oder er ging unmittelbar von der Kasse aus anandere Firmen über, wobei die Kasse ebenfalls ihre Forderungen an denAutor für sich abzog: im Ostermeßkatalog von 1787 zeigt sie an, daßsie ihren Verlagsvorrat insgesamt zu verkaufen beabsichtigt, in den Meß-katalogcn der nächsten Jahre finden sich mehrfach Anzeigen solcher Vcr-lagsübcrgänge. Die Abzahlung begann 1788 mit einem Bestände von4169 Thaler 7 gr., zunächst zu Gunsten der Dessauer Arrestglüubigerund Basedows und wurde noch mehrere Jahre hindurch fortgesetzt.
In demselben Jahre, gerade im Todesjahre Reichs, in dem dieVerlagskassc ihre geschäftliche Auflösung anzeigte, kündigt der Mcßkatalog