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Stadtprcdiger nach Dürkheim a. d. Haardt. Auch hier sollte, im SchlosseHeidesheim bei Worms , ein Philanthropin erstehen, und hier sehenwir ihn eine Schriftstellern, Buchdruckern, Vcrlagöunternehmung undSortimentshandcl vereinigende fieberhafte Thätigkcit entwickeln, wie siekaum die tollste Phantasie sich ausdenken konnte, um den Selbstverlagdes Gelehrten in seiner ganzen Allseitigkeit zu schildern. Er verbandmit dem Philanthropin eine eigene Buchhandlung, die durch „äußerstherabgesetzte Preise die halbe Welt an sich ziehen" sollte, und mit derBuchhandlung eine eigene pädagogische Zeitung. Ein Buchhändler schaffteihm einen „ganzen Lastwagen voll Bücher" ins Schloß. Bahrdt kün-digt auf Pränumeration eine neue Ausgabe seiner berüchtigten Über-setzung des Neuen Testaments an für die Hälfte des Preises der ersten.Zu Michaelis fängt er an daran zu arbeiten, zu Weihnachten ist sieauf seine Kosten bei Gegel in Frankcnthal, einem bekannten Nachdruckcr,fertig gedruckt, zu Ostern hat er ein Sümmchen von 5000 Gulden da-mit eingenommen. Er errichtet eine eigene Druckerei: Gegel liefert zweiPressen samt Druckern und allem Zubehör ins Schloß und Bahrdt ver-pflichtet sich, sie bestündig in Thätigkeit zu halten. Bahrdt beginnt diePädagogische Zeitung: er ist ihr alleiniger Verfasser, Redakteur, Kor-rektor, Druckerfaktor, Herausgeber, Verleger und Händler. Er fabriziertauf dieselbe Weise eine neue Ausgabe seines Marschlinscr Erziehungs-plans und Lehrbücher für die verschiedenen Klassen. Er veranstaltetwohlseile Abdrücke der besten Klassikerausgaben. Er schreibt Manuskripte,er besorgt sämtliche Korrekturen, er schreibt seine wöchentlich erscheinendeZeitung. Ein Setzer fordert Arbeit: Bahrdt muß Manuskript schaffen.Das Zeitungsmanuskript reicht nicht aus: er muß schreiben. Er muß alsDruckereifaktor in die Druckerei laufen, Setzern und Druckern ihre Arbeitzuteilen und Aufsicht halten. Er muß schreiben wie eine Maschine, umdie Setzer und Drucker in Athem zu halten. Er muß das Warenlager inObacht halten. Nun ist in der Druckerei Zank und Streit zu schlichten.Jetzt kommt ein Käufer in den Laden — und bei der Menge der Fremden,die die Anstalt besuchten, wurde fast täglich verkauft —, und der Gcncral-superintcndent muß von Schreibtisch, Katheder oder Druckerpressc alsKaufmann an den Ladentisch. „Bei Gott , es war oft zum Verwirrwerden." Dazu wurde er „von Berlin aus bombardirt und in seinemSchlosse gcüngstet": dcr würdige Theologe hatte aus dcr Quelle der Nico-