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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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216 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

solle). Auf diese in aller Präcision gestellte Forderungen folgte dieDrohung: daß für den Fall, daß die Herren vom Leipziger Handel siewider alles Vermuten nicht annehmen würden, die Jnnungsmitgliedersich bei ihrer Ehre verbunden hätten, allen Handelsverkehr mit ihnenabzubrechen und das, was man von ihrem Verlage benötigte, auf ge-meinsame Kosten nachzudrucken.

Die Schlußnahme war von einem unmittelbaren Erfolge nicht be-gleitet. Ein Teil ihrer Forderungen erinnerte an diejenigen, welcheTrattner schon in den sechziger Jahren gestellt hatte, und war ebensounerfüllbar; ein anderer 'Teil war von der Art, daß sich seine Ver-wirklichung nicht von einem allgemeinen Buchhändlervertrage, sondern nurvon dem Selbstzwange der natürlichen Interessen jeder einzelnen Hand-lung erwarten ließ. Der Mißerfolg löste dieInnung" sofort auf.Nur die Nürnberger Felsecker, Grattenauer, Monath und Stein tratennoch zwei Jahre nachher, in einem Circular vom Sommer 1790, mitalten und neuen Beschwerden und Forderungen an die Leipziger auf.

Den zweiten der in der Alternative der Schlußnahme bezeichnetenWege hat man nicht beschritten. Die Innung zerfiel, und Hr unddie Männer desNeuen Archivs", die die Bewegung weiter betrieben,bemühten sich nur um die Begründung einer oberdeutschen Messe. Eswar der Gedanke einer Erneuerung des Mannheimer Projektes der sieb-ziger Jahre in vergrößertem Maßstabe. Hr erhoffte von Nürnberg dieselben Zugestündnisse, wie sie Schwan von der Kurpfälzischen Regierunggewährt worden waren. Er regte einen Kongreß aller mit dem Prv'jekt einverstandenen oberdeutschen Buchhändler in Augsburg, Nürnberg oder Ulm an, mit grundsätzlichem Ausschluß aller Nachdrucker; und zwarsollte auf jeden Fall die oberdeutsche Messe in Gang gebracht werden,gleichviel ob und wie sich die Niederdeutschen daran beteiligen würden.Auch in dieser Form blieb das Projekt auf dem Papier. Hr be-gründete die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen damit, daß die Frank-furter Handlungen ganz kalt geblieben wären. Schon die Schlußnahmeselbst zeigte keine Frankfurter Unterschrift. Auch das erinnert ganz andie Ereignisse der siebziger Jahre, die geplanten Frankfurter und Mann-heimer Kommissionslager. Der hinreichende Grund dafür, daß der Plannicht zu Stande kam, ist es jedenfalls nicht gewesen. Eine Messe läßtsich nicht von einem halben Dutzend Leuten kreieren. In Nürnberg ,