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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Reaktion gegen das Überhandnehmen der unverlangten Sendung. ZI?

Erlangen und Zürich freilich bewies man Zähigkeit und Ausdauer. DasHorn des Neichsbuchhandels, das 'Neue Archiv, blies noch 1795 wieder-holt zum Sammeln. Ja noch in einem Eircular vom Februar 1796bestürmten Hr und Palm die harthörigen Kollegen des Reichs undder Schweiz, sich am ersten Juli in Ulm zu gemeinsamer Beratung überdie Gründung einer Reichsbuchhändlermesse einzufinden, durch die dieMacht des norddeutschen Buchhandels gebrochen werden sollte.^ Dasganze Projekt hat damit für uns nur die Bedeutung, diese aber inhohem Maße, Licht zu verbreiten über Zustände und Stimmungen imdeutschen Buchhandel zu der merkwürdigen Zeit, in der sich seine neueOrganisation durchrang.

Der natürliche Zwang der litterarischen und der Verkehrsverhält-nisse selbst ließ die neue EntWickelung nicht dem Ziele, das Hr undBensen befürchteten, sich zubilden, sondern einem andern. DiesesZiel, wie es in der Tendenz des buchhändlerischen Verkehrs zu Aus-gang des 18. Jahrhunderts deutlich enthalten ist, war die Auflosungder alten Bindung des buchhündlcrischen Verkehrs an Meßhandel undMeßzeit, die umfassendste Ausgestaltung des Leipziger Kommissions- undAuslicfcrungswcscns zur Erleichterung und Verbilligung des Bezugsund der Abrechnung, die bessere Gestaltung des Abrechnungsgcschäftcs inLeipzig und die Zurückdrängung der Übermacht der Sendung pi'o novi-tllw zu Gunsten des festen Bezuges des seinen Bedarf selbst wühlendenSortimcntcrs, ihre Umbildung aus der vom Verleger ausgehenden unver-langten Novitäten- in die vom Sortimcnter verlangte Konditionssendung.

Es war die aus seiner Entstehungsgeschichte unmittelbar verständ-liche, aber bei der Ausdehnung, die es angenommen hatte, schädlicheSeite des Rcmissionswcsens, wie es sich bis dahin entwickelt hatte, daßes ausschließlich mit der absolut unverlangten oder generell verlangtenNovitätcnscndung verknüpft war. Man konnte es sich wohl gefallenlassen, wenn eine Handlung ihre zwischen Ostern und Michaelis er-schienenen Artikel in der Herbstmesse auf einmal versandte. Es war aberziemlich gebräuchlich geworden, einen neuen Artikel, kaum daß er ausder Presse war, unfrankiert nach allen vier Himmelsrichtungen zu ver-senden^, selbst noch kurz vor der Messe, noch dazu um die Ver-zögerung zu vermeiden, die durch die Ansammlung einzelner Pakete zu