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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

Buchhändlerbörse^ zur Verwirklichung zu bringen. Es war ein Leip-ziger, Georg Joachim Goschen . Wir wissen leider nicht, wie und worander Plan gescheitert ist; es scheint, als wenn dabei das Bedenken mit-gespielt habe, daß man seine Geschäfte doch lieber ohne Zuschauer undZeugen betreibe. Schon ein Jahr darauf aber gelang es einem andernLeipziger, den Gedanken zu verwirklichen: Paul Gotthelf Kummer , ge-boren am 29. Dezember 1750 in Erbisdorf bei Freiberg . Seit seinemvierzehnten Jahre, dem Jahre des Frankfurter Abschieds, war er inLeipzig beim Buchhandel, zuerst als Lehrling bei Heinsius, dann alsDiener bei Dyck; im Jahre 1775 etablierte er sich als dreizehnterLeipziger Buchhändler, im Jahre 1790 gründete er sein Kommissions-geschäft.^ Wir wissen nicht, welches Lokal Göschen in Aussicht ge-nominen hatte, ob überhaupt schon ein bestimmtes in Aussicht genommenwar; Kummer knüpfte jedenfalls an das oben genannte Bedenken anund gestand, daß er selbst deshalb bisher gegen das Projekt eingenommengewesen sei. Er glaubte aber jetzt ein Abrechnungslokal vorschlagen zukönnen, das jenen Übelstand nach Möglichkeit vermied; es waren fünfZimmer im zweiten Stockwerke des noch heute stehenden stattlichenRo-manus-Hauses" an der Ecke der Katharinenstraße und des Brühls, desdamaligenRichterschen Kaffeehauses". Sie boten soviel Raum, daßmindestens fünfzig Tische und zwar so bequem gestellt werden konnten,daß bei mäßig lautem Reden keine gegenseitige Störung entstand; außer-dem sollte lautes Schreien und Lachen verboten sein und sollten diejenigen,welche nichts zu thun hatten, die Abrechnenden nicht stören undbehorchen"dürfen, das kleinste Zimmer aber sollte frei bleiben fürgeheime Gespräche".Sonst war übrigens der Aufenthalt ziemlich gemütlich gedacht. Mankonnte sich Erfrischungen bringen lassen wobei gewiß auch an denvon Schiller gerühmten Richterschen Meßpunsch gedacht war und auchsein Pfeifchen schmauchen; nur weil in der Gesellschaft der Gelehrten undKaufleute, von der die Zimmer in der übrigen Zeit benutzt wurden, dasTabakrauchen auf das große Eckzimmer beschränkt war, mußten sich dieBuchhändler wohl oder übel ebenfalls hieran halten. Die Miete solltepro Ostermesse 250 Thaler betragen; dazu kamen etwa 16 Thaler für einenAufwärter. Zur Anschaffung von geeigneten Tischen die vorhandenenwaren entweder ganz große Speise- oder ganz kleine Spieltische undSchreibutensilien warf Kummer 100 Thaler aus; Tische und Schreib-