^ Erste Gründung einer Buchhändlerbörse: G. I. Göschen, P. G. Kummer. 225
Materialien sollten natürlich, wenn das Unternehmen zu Stande kam,aufbewahrt werden, so daß künftig in jeder Ostermesse nur etwa 8 Thalerfür Federn, Tinte u. s. w. nötig sein würden. Endlich war bei kalterWitterung für etwa 16 Thaler Holz nötig. Eine Summe von 366resp. 382 Thalern, rund 2700 resp. 2800 Mark nach heutigem Geldefür das Anfangsjahr, von 274 resp. 290 Thalern, rund 2000 resp.2100 Mark nach heutigem Gelde für die spätern Jahre, das waren dieKosten für die erste „Buchhändler-Börse", wie man das in Aussicht ge-nommene gemeinsame Buchhändlerlokal schon damals nannte. Um sieauf eine für den Einzelnen nicht beschwerliche Weise aufzubringen, hieltKummer eine Mindestzahl von hundert Beitrittserklärungen für nötig.Nur Mitglieder sollten, gegen Borweisung eines Eintrittsbillets, Zuganghaben, und zwar von früh an, so zeitig man wünschte, bis Abends 8 Uhr.
Ihren unbedingten Beitritt erklärten 58 auswärtige Buchhändler,und zwar zufällig genau die Hälfte aus Nord-, die Hälfte aus Süd-deutschland. Aus Berlin kamen neun, aus Halle fünf, aus Weimar zwei, aus Wien und Nürnberg kamen je fünf, aus Stuttgart und Prag je drei, aus Erlangen und Ulm je zwei dieser Beitrittserklärungen.Das halbe Hundert dieser nord- und süddeutschen Buchhändler nahmKummers Vorschlag voller Begeisterung auf,^ Und das Werk, an dasKummer die Hand legte, hatte für sie eine viel tiefere und weitere Be-deutung; man sprach Erwartung und Zuversicht aus, „daß diese Ver-bindung noch mehr gutes vor die Buchhandlung stiften werde, als, blosErleichterung der Geschäfte während der Messe", daß sie dazu führenwerde, „über manche Unordnungen gemeinschaftlich zu sprechen und durchVereinbarung sie abzustellen"; Palm, wiewohl so eng liiert mit derZürich-Nürnberg-Erlanger Bewegung, packte mit festem Griffe zu undverlangte dazu sofort die Wahl von Deputierten; und Severin ausWeißenfels rief Kummer zu, nun müsse er auch noch eine Assekuranz-Kompanie gegen den Nachdruck gründen.
Allerdings übergingen die Briefe der unbedingten Anhänger desKummerschen Borschlages auch einige seiner weniger erfreulichen Seitennicht mit Stillschweigen. Da sieht man vor allem, daß man sich vonden Leipzigern, die „fast allein das vergebliche Laufen verursachten, ohneauf die Erleichterung derjenigen Buchhändler Rücksicht zu nehmen, die60, 80, 100 und mehrere Meilen reisten und gleichsam Leib und Leben
Geschichte des Deutschen Buchhandels, 'lll. 15