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4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
wagten", wenig Gutes versprach. Man vermutete, daß ihre bekannteAnschauung, die es für „beleidigend gegen sich selbst" hielt, außerhalbdes eigenen Gewölbes zu rechnen, ihren Beitritt verhindern und erst,wenn nach dem Beitritt aller Auswärtigen diese gemeinsam erklärenwürden, nur auf der Börse mit ihnen abzurechnen, die Notwendigkeitihren Stolz und Eigensinn brechen würde. Man verhehlte sich fernernicht, daß es ohne manche Störung friedlich Abrechnender und GeschäfteTreibender nicht abgehen würde; „wenn z. B. Breda, Gutzsch ihr Wesentreiben", schrieb Kehser aus Erfurt , „vergeht denen in der Nachbarschafthören und sehen und für solche Leute helfen keine Regeln"; Stahelbat, ihm seinen Platz nicht neben Gräsf (dem Inhaber der WeidmannschenBuchhandlung) oder „dergleichen Nawtorös" anzuweisen, denn in solcherAtmosphäre könne es niemand behagen. Allein im allgemeinen war manmit Einrichtung und Lokal, von dem ausdrücklich hervorgehoben wird,daß man es für günstig halte, zufrieden. Nur Schwan und Götz meinten,es liege freilich etwas weit vom „Buchhändlerrcvier" ab, und Stahelwünschte, daß, damit die Mitglieder an der Börse auch mit denen ab-rechnen könnten, die aus Caprice, Geldmangel oder Stolz nicht beitretenwürden, der Zutritt auch Nichtmitgliedern gestattet sein sollte; der Vor-zug der Mitglieder sollte darin bestehen, daß nur sie eigene Plätze hätten.Man beeiferte sich, seine Überzeugung davon auszusprechen, wie sehr dieGeschäfte nun beschleunigt werden würden: in zwei bis drei Tagen hoffteman jetzt, hundert Buchhändler abzufertigen; man bewies sein Interessedadurch, daß man Vorschläge zu uoch zweckmäßigerer Ausgestaltungmachte: Schneider riet z. B., daß Montags die Buchhändler, derenNamen mit den Buchstaben ^ bis -I, Dienstags, deren Namen mit 6bis 0, Mittwochs, deren Namen mit ? bis 8 anfingen, Donnerstagsdie übrigen abrechnen sollten.
Neben den bedingungslos Beitretenden standen die Gruppen der mehroder weniger Zögernden und Abwartenden und der ihren Beitritt Ab-lehnenden. Briefe, deren Verfasser ihre grundsätzliche Ablehnung erklären,sind zwei vorhanden, einer aus Frankfurt a. M. und einer aus Berlin .Eßlinger aus Frankfurt erklärt seine Ablehnung immer noch einiger-maßen gewunden. So aus der Ferne könnte er nichts darüber sagen;er müßte die Einrichtung erst sehen — dann aber: „überhaupt scheintmir das eines jeden xartieulln- Sache zu seyn". So ist die einzige