Erste Gründung einer Buchhändlerbörse: P. G. Kummer.
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schriftlich vorliegende klare und unumwundene Ablehnung die von Nicolai.Er begründete seine Ablehnung mit seinem Unglauben an einen längernBestand der Unternehmung, mit der Störung durch die Streitigkeit überGeldsorten, Rcmittenda u. s. w., die namentlich einer „etwas beträcht-lichen" Handlung sehr unangenehm seien, mit der Abgelegcnheit desRichterschen Kaffeehauses und damit, daß man dort die Pausen zwischendem Abrechnen verliere, während man sie zu Hause nützlich ausfüllen könne.
Der Wunsch der Auswärtigen: besonders die Leipziger selbst zum Bei-tritt zu bewegen, ging, wie man ganz richtig vermutet hatte, nicht in Er-füllung. Indessen konnte Kummer durch Circular vom 30. April 1792 be-kannt machen, daß sein Vorschlag mit „allgemeinem Beifall" aufgenommensei; 121 Beitrittserklärungen waren erfolgt. Von den zu Anschaffungen be-stimmten Z21 Thalern waren nur 67 Thaler 16 gr. (darunter auch Krim-mers Ausgaben für den Druck der Circulare, Couverts und Porto) aus-gegeben worden; der Überschuß wurde gegen Rückgabe der Billets repartiert.
War die Einrichtung von Bestand? Ein Rundschreiben, in demKummer die Erklärungen wegen künftiger Beteiligung sammelte, fand78 glatte Unterschriften. Brönner wünschte die Verlegung ins eigent-liche Buchhändlervicrtel, und dem schlössen sich neun, Korn d. Ä. wünschteeine „bestimmtere Einrichtung unter den Gliedern", und dem schlössensich zwei weitere Unterzeichner an; zwei schließlich erklärten ihre Über-einstimmung mit Brönner und Korn zugleich. Es waren so im Ganzen93 Zusagen^, nnd Friedrich Severin sprach dem „würdigen Stifter"nochmals den Dank des Buchhandels aus. Nur 42 Unterschriften ge-hören denen an, die, mit oder ohne nähere Bedingungen, in den April-bricfen ihren Beitritt zugesagt hatten. Dem Dokumente nach hatte sichalso sowohl die Gesamtzahl der Mitglieder, wie die Zahl derer, diebrieflich so begeistert ihren Beitritt erklärt hatten, vermindert. Freilichmuß man in Rücksicht ziehen, daß ein Teil der Auswärtigen bereits ab-gereist sein konnte; aber schon zu Ostern 1793 kam die neue Börscn-verbinduug nicht mehr zu Stande.^ Als die Klippe, an der das Unter-nehmen scheiterte, gab man hauptsächlich die zu weite Entfernung desRichterschen Kaffeehauses vom Buchhändlervicrtel an." Handelte es sichdoch damals nicht nur um die Abrechnung, sondern um eine Fülle vonGeschäften, die in Läden, Gewölben oder Stuben abgewickelt wurden;
dazu kam, daß der Anschluß an die Börse kein allgemeiner war. Nicolai
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