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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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228 ^ Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

meinte, wenn er die neue Einrichtung mit Vorteil hätte benutzen wollen,hätte er künftig nicht nur, wie er bisher zur Erleichterung seiner Ab-rechnungsgcschüfte zu thun pflegte, zwei Abrechne? und doppelte Meß-bücher, sondern sogar drei Abrechner und dreifache Meßbücher mitbringenmüssen: einen Abrechner für den Laden, einen zweiten zum Aufsuchen derKollegen in ihren Läden und einen dritten zum ständigen Aufenthalt imAbrechnungslokal. Im Jahre 1794 ging dann das Haus, in dem sichdie erste deutsche Buchhändlerbörse befunden hatte, in Privathände überund war damit öffentlichen Zwecken auf jeden Fall entzogen.

Das Gros der Leipziger Buchhändler scheint sich über das Scheiternder Kummerschen Unternehmung wenig gegrämt zu haben; und wenigfreundliche Worte wurden unter den Auswärtigen, namentlich den Reichs-buchhändlern über die Stellung der Leipziger in dieser Sache getauscht.Fast, sagte man, könnte man auf den Gedanken kommen, dieunver-zeihliche Unordnung" würde absichtlich von ihnen unterhalten, um dieFremden um so länger bei ihnen Hausen zu lassen, damit sie desto mehrGeld in Leipzig verzehrten und mit größerer Bequemlichkeit den nötigenLeipziger Verlag erwerben könnten. Man erzählte sich auch, daß ver-schiedene der Leipziger Herren sehr ungehalten über Kummer seien, daß ersich der Fremden angenommen habe.Man sagt sich darüber mancherleyins Ohr . . Die böse Welt sagt vieles; mit der Leipziger Artigkeit läßtsich das nicht reimen, und so ists am besten, man glaubt es nicht." MitUnwillen sah man noch viele Jahrzehnte später aus diese Zeit vor demJahre 1806 von da an lehrte Not beten, sagte Perthes zurück, inder die Leipziger nichts zum Besten des deutschen Buchhandels, nichts zurErleichterung für die Bequemlichkeit der Auswärtigen während des Meß-aufenthalts gethan, sich auf lange hin von der Börse, die sie bespöttelthätten, zurückgezogen, sich der gesellschaftlichen Einigung der Auswärtigenentzogen hätten, anstatt durch ihre Gegenwart sie zu adelnd"

Die Auswärtigen waren es, die unter der Schwierigkeit des Ab-rechnungswesens besonders litten; die Auswärtigen waren es, die denGedanken an eine Verbesserung desselben nicht einschlafen ließen. Palmz. B. schlug 1795 vor, eine nach den Seiten der einzelnen Straßen ge-ordnete Tabelle sämtlicher Buchhändler drucken zu lassen, die bei jedemim Gewölbe aushängen müßte. Donnerstag nach Jubilate sollte das Ab-rechnungsgeschäft beginnen; am ersten und zweiten Tage sollte der alte