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4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
In der Ostcrmesse 1797, wie gesagt, nahm dieses Unternehmenseinen Anfang. Der jährliche Mietzins betrug 100 Thalcr; dazu kamen20 Thaler für Bedienung (Aufbewahrung des Inventars u. s. w.). Dassämtliche Inventar — Tische, Stühle, Vorhänge — hatten die Abmietcrzu beschaffen. Das Auditorium hieß nun während der Messe „Buch-händler Börse". Sie war von Montag nach Jubilate an geöffnet,täglich von morgens 7 Uhr und Nachmittags 2 Uhr ab, wie es, ohneAngabe der Schlußzeit, in der in Plakatform gedruckten, jedenfalls zumAnheften bestimmten „Liste der Buchhandlungen so ihre Meßgeschäfte imPaulino verrichten" vom Schluß der Jubilatemesse 1798 heißt. Tischeund Stühle waren so gestellt, daß niemand in des Andern Buch blickenoder das Geschäft stören konnte. Eine besondere Einrichtung war dieschwarze Tafel; an dieser machte man einen Anschlag, wenn man Krank-heits halber die Börse nicht besuchen konnte; an ihr wurden auch dieTitel gesuchter Bücher, deren Verleger dem Suchenden unbekannt waren,sowie Gesuche, in denen Diener und Lehrlinge verlangt wurden, ange-heftet. Um Platz zu sparen, durfte jede Handlung nur durch eine Personabrechnen. Streit und unhöfliche Begegnung, sagte das Plakat, sei zuvermeiden; Tabakrauchen war verboten; doch stellte der Prälat und da-malige Professor tnsol. xiiwarius Dr. Johann Friedrich Burscher (1732—1805) von der Osterincsse 1799 an den Buchhändlern zurErholung seinen am Paulinum liegenden Garten zur Verfügung.^Die Beteiligung war ungefähr dieselbe wie beim Kummerschen Abrcch-nungslokal. Zur Ostermesse 1797 wurden 116 Eintrittskarten gelöst;die vorher genannte Liste verzeichnet 107 Namen, unter ihnen auch den-jenigen Nicolais. Die Mitglieder waren ausschließlich Auswärtige; dieLeipziger schlössen sich auch jetzt aus. Im Interesse der Mitglieder ge-stattete ihnen Horvath den Zutritt zur Börse ohne Eintrittsgeld ent-weder für ihre Person oder einen Handelsdicner. Und schon in den erstenJahren des neuen Jahrhunderts war die Abrechnung im Paulinum eineallgemein benutzte und unentbehrliche Einrichtung der Leipziger Buch-händlermcsse geworden. In den sächsischen Meßrelationen wird die„Börse" zuerst zu Ostern 1801 erwähnt (in der Michaclismeßrelationdie unrichtige Bemerkung, sie sei zu Ostern 1801 „zum ersten Male er-öffnet und besucht worden"), und zwar mit dem Zusätze, daß, da sie vonLeipziger Verlegern weniger als von Sortimentsbuchhündlern besucht