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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Müuzc. Bedeutung des Tauschsystcms.

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zeigt folgendes System: Abrechnung zu Ostern, auf neue Rechnung schonvom 1. Dezember ab; die Firma setzt Bücher an den Buchhandel aberstens zur Ostcr- und in gcringerm Maße zur Michaelismcsse, zweitensim Dezember (vor Weihnachten!), zu andern Zeiten (August, November,Februar) nur ganz außerordentlich selten; Nemittendcn sind regelmäßigvertreten; der Rabatt ist Drittclrabatt; Überträge kommen nicht vor, dervolle Saldo wird bar ausgezahlt, ebenso keine Disponendcn. Fassen wirendlich norddeutsche Circulare aus den letzten neunziger Jahren zusammen,in denen die Bedingungen angegeben werden, unter denen allein die be-treffenden Handlungen ferner ihren Verlag in Rechnung liefern würden,so sind diese Bedingungen die folgenden: richtiger Abschluß zur Ostcrmcssc,Zahlung in gntcm Gelde (Laubthalcr zu 1 Thalcr 14 gr., preußischesgrobes Mourant oder schweres Gold), zur Ostermesse wenigstens zu zweiDritteln, das letzte Drittel in der Michaclismessc; Nichtrcmission ülternVerlags, fest verlangter oder geschriebener Artikel, aufgeschnittener oderbeschmutzter Bücher, eventuell keine Disponendcn.^

Aber die geschäftlichen Wandlungen, die in der Durchbildung und Ver-schmelzung des Konditionsbezugs und des Leipziger Kommissionswesens zu-sammengedrängt sind, waren der Kern einer viel allgemeinern Umwandlung.

Man wird über den Vorzügen, durch die das neue System aus-gezeichnet war, den geschichtlichen Wert des nun dahingehenden Tausch-systems nicht vergessen. Der persönliche Meßhandel gewöhnte daran,zahlreiche Einzclscndungcn in einer Fracht zusammenzufassen; der Tausch-handel schuf durch ganz Deutschland Lager, in denen alle Bücher vorhandenwaren und vom Publikum zur Haud genommen werden konnten, uud sorgteso, zugleich mit der eifrigen Pflege des Katalogwcsens, für rasches Bekannt-werden des Buches; er bewahrte auch die alten Bücher, nach denen Jahr-zehnte und Jahrhunderte lang keine Nachfrage war, auf; er schuf einenin durchaus eigentümlicher Weise sich uach außen hin abhebenden undin sich selbst aufs engste zusammengehörigen Stand, dessen Mitglieder,Verleger und Sortimcntcr zugleich, zu einer allseitigen berufsmäßigenAusübung des Buchhandels genötigt waren. Und das, was der deutscheBuchhandel dem Tanschsystem verdankt, wirkt bis zur Stunde in ihmfort. Es ist nicht zufällig, daß nur Deutschland das Tanschsystem aus-bildete, nur Deutschland aber auch nach dem Tauschsystem das Kon-ditionssystem entwickelte. Nur dadurch, daß sich die Buchhändler nicht wie

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