244 4- Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
sonst Fabrikanten und Händler gegenüberstanden, daß jeder gewohnt warein Lager für alle übrigen zu halten, ohne von Bestellung zu Bestellungzu warten, um die Ware lotweise zu verschreiben, aber auch ohne einLager mit barem Gclde aufzukaufen, wurden sie die Schöpfer des Kon-ditionssystems. Es bewahrte die Leistungen, die das Tauschsystem derLitteratur und Lektüre geboten hatte, in einer den veränderten neuzeitliche»Verhältnissen sich anpassenden Form und vertiefte und erhöhte sie der Ver-tiefung und Erhöhung der litterarischen Anforderungen entsprechend. Aberlängst hatte man auch die Schattenseiten des Tauschsystems erkanntund sie sind damals immer und immer wieder hervorgehoben worden. Alsdie Zeit des Untergangs des Tauschzcitaltcrs herbeigekommen war, dafürchteten die Anhänger des absterbenden Systems, daß mit der Tauschübungalle die eigentümlichen Erleichterungen, die dieses System dem Buchhandelder alten Zeit gewährt hatte, aufzugeben sein würden, der eigenartigeorganische Zusammenhang der Standesgenosseu zerrissen sein würde,dem goldenen Zeitalter brüderlichen Zusammenhaltcns das eiserne kauf-männischer Vereinzelung der Händler und kaufmännischer Alleinherrschafteines deutschen Paris oder London folgen würde. Die Befürchtungenhatten sich nicht erfüllt; das Konditionssystcm war emporgekommen.
Aus der Masse der Sortimentcrvcrlcger hatte sich seit etwa 1740der Nettohändlcr, der reine Verleger abgesondert. Das Wort Sorti-menter bezeichnet deshalb ursprünglich nicht den reinen, sondern den imGegensatz zum reinen Verleger stehenden Sortimcntcrvcrlegcr. Gewöhn-lich unterschied man übrigens damals „Verleger" uud „Buchhäudlcr",oder im Reichsbuchhandcl strikter Observanz: Verleger und „eigentlichenBuchhändler".^ Zahl und Gewicht der reinen Verleger wuchs, undmit diesem Wachstum verstärkte sich im Verlngssortimeut mehr uud mehrdie Seite des Sortiments. Schien so dem Verlegersortimentcr, so langehier die Forderung des Tausch-, dort des einfachen Geldgeschäftes bestand,der Boden unter den Füßen hinweggczogen zu werden, während der Er-folg einer buchhändlerischen Gegenreformation eine geschichtliche Unmög-lichkeit war, so schob ihm das Konditionssystem einen neuen Boden unterdie Fiiße, nnf dem er als Sortimcntcr stehen und bestehen konnte. Dieseletztere Wandluug befand sich zu Ende des 18. Jahrhunderts noch in denersten Ansängen. Was damals bestand, war noch überwiegend erst dieScheidung in Verlag und Verlagssortiment, und der vollen Scheidung in